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Projekt-Detailansicht

FAMOS - Familien optimal stärken - Modellprojekt zur flächendeckenden Implementierung von Präventionsprogrammen

Allgemeines

laufende Projektnummer

80

Kurzbeschreibung

Das Projekt FAMOS (Familien optimal stärken) ist deutschlandweit eines der größten Praxisobjekte zur Wirkungsforschung von Präventionsprogrammen zur Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz und Förderung der seelischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Die Durchführung des Projekts in der Modellstadt Paderborn impliziert die stadtweite Einführung von drei evidenzbasierten, universellen und indizierten Präventionsprogrammen unter Beteiligung von freien Trägern, des Jugendamtes, sowie sozialer, pädagogischer und medizinischer Hilfsinstitutionen für Familien. Durch die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation des Projekts durch die Universität Bielefeld können generelle Aussagen zur Wirksamkeit der untersuchten Präventionsprogramme gemacht werden. Die auf empirisch-wissenschaftlicher Grundlage gewonnenen Ergebnisse sollen politische Entscheidungen zur Einführung und Förderung etwaiger Programme unterstützen.

Projektförderung

Beginn / geplanter Beginn: Dezember 2009 Ende / geplantes Ende: Dezember 2012

Die Förderung des Projektes erfolgte durch

  • Einrichtungen der Bundesländer: Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen; Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen
  • Stiftungen: Deutsches Forum für Kriminalprävention
  • Sonstige: Jugendamt Paderborn; Universität Bielefeld; Ruhrfestspielstadt Recklinghausen; Lilly

Bundesland / Bundesländer, in denen die Maßnahme statt findet

  • Nordrhein-Westfalen

Projektbeschreibung

gesundheitsbezogener Schwerpunkt des Projekts

  • Psyche / Stress
  • Gewaltprävention
  • Soziale Kompetenz
  • Sonstiges: Prävention von psychischen Erkrankungen bei Kindern

Liste zuklappenAusgangssituation und theoretischer Hintergrund der Studie

Vorbeugen statt behandeln:
Epidemiologische Studien belegen, dass 20% der Kinder und Jugendlichen klinisch bedeutsame Verhaltensauffälligkeiten wie Ängste, Depressionen und aggressives Verhalten aufweisen, die mit deutlichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen einhergehen und kostenintensive Behandlungen erforderlich machen. Studien haben erwiesen, dass familiäre Risikofaktoren wie inkonsistentes/inkonsequentes Erziehungsverhalten, Konflikte innherhalb der Familie und das Scheitern der elterlichen Paarbeziehung eine gesunde kindliche Entwicklung beeinflussen können. Therapeutische Maßnahmen haben eine relativ geringe Reichweite. Zudem besteht im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie eine massive Unterversorgung, nur für jedes 20. betroffene Kind stehen psychotherapeutsiche Hilfen zur Verfügung. Gleichzeitig sind die anfallenden persönlichen und gesellschaftlichen Kosten von Folgeproblemen erheblich. Eine Alternative zur Senkung der Auftretenshäufigkeit psychischer Störungen liegt in der flächendeckenden Einführung indizierter und universeller Präventionsprogramme mit dem Ziel die psychische Auffälligkeiten von Kindern und damit verbundenen Folgeprobleme durch die Stärkung des Zusammenlebens von Familien zu vermindern.

Liste zuklappenHauptziele der Studie

Das Ziel der Studie ist eine Verminderung von psychischen Auffälligkeiten von Kindern und damit verbundenen Folgeproblemen durch die Stärkung des Zusammenlebens von Familien. Es ist davon auszugehen, dass unbehandelte psychische Auffälligkeiten sich im Jugend- oder Erwachsenenalter manifestieren. Ein Fortbestehen psychischer Krankheiten sind mit z.T. sehr hohen Kosten für psychotherapeutische Behandlungen und Erziehungshilfen von Jugendämtern verbunden. Unter den Risiskofaktoren für psychische Störungen ist das Erziehungsverhalten der am ehesten zu beeinflussende Indikator. Durch eine flächendeckende Implementierung von evidenzbasierten universellen und indizierten Präventionsprogrammen soll das öffentliche Bewusstsein für Präventionsprogramme gestärkt und eine Basis für die gesunde Entwicklung und Förderung von Kindern geschaffen werden. Die Nutzung vorhandener Strukturen in der Stadt Paderborn ermöglicht den Gebrauch gemeinsamer Konzepte um (Arbeits-) Beziehungen innerhalb städtischer Versorgungsstrukturen herzustellen, zu intensivieren und für eine gelingende Präventionsarbeit nutzbar zu machen.

Liste zuklappenZielgruppe

Altersgruppe

  • Grundschüler und -schülerinnen (6-10)
  • Jugendliche und junge Erwachsene (15-25)
  • Klein- und Vorschulkinder (2-5)
  • Menschen im höheren erwerbsfähigen Alter (51-65)
  • Menschen im mittleren erwerbsfähigen Alter (26-50)
  • Schülerinnen und Schüler (11-14)

Projekt richtet sich an

nicht geschlechtsspezifisch

Personengruppe

  • Professionelle als Multiplikatoren

Die Maßnahme wird in folgendem Setting durchgeführt:

  • Kindergarten / Kindertagesstätte
  • Krankenhaus / Rehaeinrichtungen
  • Punktuell wahrgenommene Einrichtung des Gesundheitswesens (Artzpraxis, Apotheke, ambulante Pflege)
  • Schule
  • Verein / Kirchengemeinde
  • sonstige: Beratungsstellen

Methodik und Studiendesign

Ziele, die das Projekt verfolgt?

  • Entwicklung und/oder Erprobung von Interventionen
  • Evaluation der Wirksamkeit von Maßnahmen
  • Strukturbildung
  • Vernetzung bestehender Programme

Welche Intervention wurde durchgeführt?

  • Beratung / Coaching / Hausbesuche
  • Informationsveranstaltungen
  • Schulung / Kurs / Training
  • schriftlichen Informationen / Erstellen von Websites

Studiendesign

  • Experimentell
    • Interventionsstudie
      • Mit Kontrollgruppe
  • Beobachtend
    • Ökologische Studie

verwendete Methoden

  • Quantitative Methode: Standardisierte Befragung (Fragebogen/Interview)
  • Analyse von Sekundärdaten
  • Längsschnittstudie

gemessene Outcomes?

  • Gesundheit: Lebensqualität, Intermediäre physiologische und funktionale Parameter, Intermediäre Verhaltenparameter
  • Kompetenz / Empowerment
  • Versorgungsdaten
  • Strukturbildung
  • Zugangswege
  • Akzeptanz / Zufriedenheit
  • Direkte/indirekte Kosten
  • Sonstiges : Inobhutnahmen (Jugendamt); Kinder- und Jugendkriminalität;

Liste zuklappenBeschreibung von Methode und Vorgehensweise der Studie

Implementierung (3 Jahre):
Einführung von drei evidenzbasierten Präventionsprogrammen in der Stadt Paderborn:

  • Effekt: Entwicklungs Förderung in Familien: Kindtraining
  • PEP: Präventionsprogramm für Expansives Problemverhalten: Training für Erzieher und Eltern
  • Triple P: Positives Erziehungsprgramm: Elterntraining

Insgesamt wurden 211 Fachleute ausgebildet, um Kurse für Eltern, Erzieher und Kinder anzubieten. Dabei fallen 25 Fortbildungsplätze auf das EFFEKT-Programm, 12 auf das PEP- und 175 Plätze stehen dem Triple P-Programm mit insgesamt fünf Modulen zur Verfügung. Nach den Fortbildungen bieten die Fachkräfte kostenlose Eltern- und Kindkurse für ca. 55% aller Familien in Paderborn an.


Evaluationsstudie (10 Jahre)
Interventionsstadt: Paderborn. Kontrollstadt: Recklinghausen.
Evaluationsebenen:

Populationsebene:
Auf Basis einer jährlichen Telefonbefragung in Paderborn und Recklinghausen werden Statistiken zum Bekanntheitsgrad und Teilnehmerraten der Präventionsprogramme ermittelt. Geplant sind drei Erhebungszeitpunkte (Prä- und Post-, Follow-Up Messung) zur Erhebung von objektiven Kennwerten beider Städte: Jugendkriminalität, Fälle von Kindesmissbrauch, Inobhutnahmen, Gesundheits- und Entwicklungstrends in Schuleingangsuntersuchungen, Inanspruchnahmen von Hilfen zur Erziehung vom Jugendamt.

Ebene der teilnehmenden Familien:
Standardisierte Befragungen zum kindlichen Verhalten und Erziehungsverhalten der Eltern jeweils vor Beginn und nach Beendigung einer Kursteilnahme.

Ebene der fortgebildeten Fachleute:
Erfasst werden die subjektive Beratungskompetenz, die Zufriedenheit mit der Fortbildung sowie Anzahl der geleisteten Kurse (jeweils 3, 6, 12, 18, 24 Monate nach Beendigung der Fortbildung).

Ergebnisse und Praxistransfer

(vorläufige) Ergebnisse

Die meisten der Fortbildungsplätze wurden von Erziehern (50%), Sozial- und Heilpädagogen, sowie von Ergotherapeuten, Psychotherapeuten, Ärzten und Angehöriger anderer Bildungs- und Gesundheitsinstitutionen wahrgenommen. Durch die hohe Beteiligung der Kindertagestätten konnte beinahe die gesamte Kohorte, d.h. 50% der Familien in Paderborn erreicht werden. In Familien mit Kindern mit Problemverhalten konnten sogar 70% erreicht werden. Die ersten Ergebnisse der Kursevaluation zeigen eine deutliche Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenzen durch die Kursteilnahme an einem Präventionsprogramm. Darüber hinaus zeichnet sich eine tendentielle Reduktion der kindlichen Verhaltensauffälligkeiten ab.

Liste zuklappen(geplanter) Praxistransfer

Das ausgebildete Fachpersonal wird zum Ansprechpartner für viele Eltern mit ihren individuellen Bedürfnissen nach Rat und Hilfen in Erziehungsfragen und -konflikten. Das aufeinander abgestimmte Fortbildugsprogramm der stadtweit eingeführten Präventionsprogramme für zahlreiche Fachleute aus medizinischen, pädagogischen und psychosozialen Beurfsfeldern ermöglicht die Herstellung einer gemeinsamen Handlungsbasis für die therapeutische und beratende Arbeit mit Eltern zur Stärkung und Entwicklung ihrer Erziehungskompetenzen. Daraus entwickeln und festigen sich die Beziehungsstrukturen zwischen den Hilfsinsitutionen für Familien eines städtischen Versorgungsnetzwerks. Für Eltern sinkt die Hemmschwelle der Inanspruchnahme der Angebote einerseits durch eine Erweiterung des Zuständigkeitsbereichs und andererseits durch eine geringere Verantwortungsdiffusion der Fachkräfte bezüglich der Anliegen und Bedürfnisse nach Unterstützung der Eltern.
Eine bedarfsgerechte Gestaltung der Informations- und Beratungsangebote unter Berücksichtigung einer kulturell und sozial heterogenen Elternschaft macht präventive Elternarbeit für eine größere Zielpopulation zugänglich. Alle Beartungsangebote für Eltern sind in diesem Fall kostenlos und gewähren damit den Einbezug sozial benachteiligter Familien in die Präventionsmaßnahme.

Weiterführende Informationen

Liste zuklappenProjektmaterialien


Links

www.famos-paderborn.de
www.triplep.de
www.effekt-training.de
www.pep-programme.de

Logo des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Logo der Medizinischen Hochschule Hannover

Logo des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf

Logo der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung