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Projekt-Detailansicht

BABYLOTSE HAMBURG - modellhafte Evaluation der Wirksamkeit eines Sozialen Frühwarnsystems

Allgemeines

laufende Projektnummer

78

Kurzbeschreibung

Das Projekt „Babylotse Hamburg“, welches in seiner Modellphase zwischen 2008 und 2010 wissenschaftlich evaluiert wurde, stellt ein Soziales Frühwarnsystem dar. Der Zugang zu den Familien erfolgt in den Geburtskliniken und ermöglicht es, belastete Familien bereits um den Zeitpunkt der Geburt mittels eine Screenings nach Risikofaktoren (Risikoinventar) zu identifizieren und im Rahmen eines sog. Clearings die Problem- und Ressourcenlage der Familien sowie den tatsächlichen Hilfebedarf zu ermitteln. Die Aufgabe der Sozialpädagoginnen, die als sog. „Babylotsen“ den Kontakt zu den Familien aufnehmen, ist, die passenden Hilfsangebote für die Betroffenen zu finden und die Familien in das Hilfesystem überzuleiten. Im Rahmen der im Kontrollgruppendesign angelegten Evaluation fanden zum 1. Geburtstag des Kindes sowohl Befragungen der Eltern als auch sog. Gesundheitschecks der Kinder statt, um die Wirksamkeit des Projekts abbilden zu können.

Liste zuklappenKontaktdaten aller wissenschaftlicher Partner

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie
Dr. Silke Pawils, Prof. Dr. Dr. Uwe Koch
Martinistr. 52
20251 Hamburg
Telefon: 040-7410-53995
Fax: 040-7410-54940
E-Mail: s.pawils@uke.de

Projektförderung

Beginn / geplanter Beginn: November 2007 Ende / geplantes Ende: Oktober 2010

Die Förderung des Projektes erfolgte durch

  • Einrichtungen der Bundesländer: Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz

Bundesland / Bundesländer, in denen die Maßnahme statt findet

  • Hamburg

Projektbeschreibung

gesundheitsbezogener Schwerpunkt des Projekts

  • Psyche / Stress
  • Gewaltprävention

Liste zuklappenAusgangssituation und theoretischer Hintergrund der Studie

Ziel sozialer Frühwarnsysteme ist, riskante Entwicklungen von Kindern bspw. aufgrund von Vernachlässigung frühzeitig zu erkennen und ihnen zeitnah mit geeigneten Interventionen entgegen zu wirken. Mittlerweile gibt es eine breite Erkenntnisgrundlage zum Thema Risikofaktoren für Vernachlässigung. Zu den häufigsten und risikoreichsten Faktoren für Vernachlässigung zählen Armut und psychische Erkrankungen der Betreuungspersonen wie Depression und Sucht ; als risikoreich gilt zudem beispielsweise ein jugendliches Alter der Mutter zum Zeitpunkt der Geburt. Die Folgen für das Kind sind eine höhere Morbidität (Krankheitshäufigkeit), Mortalität (Sterblichkeit) sowie eine mögliche Behinderung seiner normalen intellektuellen, seelischen und körperlichen Entwicklung.

Die Möglichkeit, Risikofaktoren zu benennen sowie die Ergebnisse zur prinzipiellen Effizienz von präventiven Maßnahmen führen zu der Einschätzung, dass durch gezielte Hilfsangebote an Familien, auf die mehrere Risikofaktoren zutreffen, ein substantieller Anteil von Vernachlässigungen verhindert werden kann.

Liste zuklappenHauptziele der Studie

Ziel ist die Installierung und Validierung eines psychosoziales Neugeborenen-Screening und Clearing in einer Geburtsklinik, welches geeignet ist, Familien mit einer hohen psychosozialen Belastung zu identifizieren. Dazu wird ein Risikoscore erstellt, welcher für jede Familie vor der Entbindung erhoben und ausgewertet wird. In einem persönlichen Gespräch (Clearing) noch in der Geburtsklinik werden zu den Risiko- auch protektive Faktoren ermittelt und die Aufnahme in das "Babylotse Hamburg" Projekt entschieden. Die Nutzung eines Risiko-Scores soll zeigen, ob mittels eines solchen Instruments systematisch gefährdete Kinder identifiziert und die existierenden psychosozialen Hilfen für die Familien gezielter eingesetzt werden können.

Für Familien, die im Risikoscoring und anschließendem Clearing als besonders belastet erfasst werden, soll der Zugang zu den regionalen Begleithilfesystemen, Familienhebammen oder anderen Angeboten der Frühen Hilfen, oder zu den zuständigen Regelsystemen angebahnt werden. Im Rahmen der im Kontrolgruppendesign angelegten Evaluation soll die Wirksamkeit der Maßnahme durch einen Vergleich der Untersuchungs- und Kontrollgruppe hinsichtlich der Lebenssituation des Kindes (Gesundheitsprüfung) und die Aktzeptanz des Projekts auf Seiten der Eltern ermittelt werden

Liste zuklappenZielgruppe

Altersgruppe

  • Klein- und Vorschulkinder (2-5)
  • Säuglinge (0-1)

Personengruppe

  • Sozial benachteiligte Personen

Die Maßnahme wird in folgendem Setting durchgeführt:

  • Familie / Haushalt

Methodik und Studiendesign

Ziele, die das Projekt verfolgt?

  • Ermittlung des Bedarfs
  • Evaluation der Wirksamkeit von Maßnahmen
  • Identifikation von Zielgruppen

Welche Intervention wurde durchgeführt?

  • Beratung / Coaching / Hausbesuche

Studiendesign

  • Experimentell
    • Interventionsstudie
      • Mit Kontrollgruppe

verwendete Methoden

  • Dokumentenanalyse
  • Quantitative Methode: Standardisierte Befragung (Fragebogen/Interview), Beobachtung

gemessene Outcomes?

  • Gesundheit: Lebensqualität, Morbidität
  • Akzeptanz / Zufriedenheit

Liste zuklappenBeschreibung von Methode und Vorgehensweise der Studie

Qualität des Screening-Verfahrens: Vergleich der Hauptproblembereiche im Screening mit denen im Clearing (Inhaltsvalidität); Vergleich der Clearingbögen bei drei unabhängigen, geschulten Interviewer (Interratereliabilität)

Prozessqualität (Umfang und Erfolg der Zielgruppenerreichung): Zahl der im Screening als auffällig erfassten Familien und der als nicht-auffällig erfassten Familien (Falldokumentation); Bewertung der Beratung und Überleitungen aus Sicht der Hilfesysteme (Einrichtungsbefragung); Bewertung der Beratung und Überleitung aus Sicht der Familien (Elternbefragung)

Ergebnisqualität (Verbesserung der Lebenssituation der Zielgruppe): Bewertung der Lebenssituation und -qualität aus Sicht der Familien (Elternbefragung)Befragung zu Teilnahme, Abbruch, Dauer der Inanspruchnahme (Monitoring)

Wirksamkeitsanalyse(Wirksamkeit des Schutzes der Kinder vor Gefährdungen): Lebenssituation des Kindes im Vergleich zwischen Untersuchungs- und Kontrollgruppe (Gesundheitsprüfung)

Ergebnisse und Praxistransfer

(vorläufige) Ergebnisse

Die Resonanz auf das Babylotsen-Projekt in der Geburtsklinik ist in 3 Jahren Projektlaufzeit als sehr positiv zu beurteilen. Das Risikoscreening in der Klinik hat sich etabliert, so dass über 70% der Familien hinsichtlich ihres Risikos einer späteren Kindeswohlgefährdung beurteilt wurden. Die Akzeptanz bei den Klinikmitarbeitern wie auch bei den Familien ist hoch und angesichts der häufigsten Mehrfachprobleme wie Migrationsschwierigkeiten und materielle Notlage zeigt sich die pragmatische Hilfe der Babylotsen bei Behördenanträgen oder Vermittlung einer Familienhebamme als sehr notwendig. Der Gesundheits-Check um den ersten Geburtstag des Kindes zeigt hingegen noch weitergehenden Handlungsbedarf auf. Die Familien, die durch die Babylotsen eine wie auch immer geartete Unterstützung erhielten, unterscheiden sich auch nach einem Jahr noch überzufällig von den Familien, die kein Risiko in der Geburtsklinik aufwiesen. Mit robusten Daten lässt sich hier zeigen, dass das soziale Umfeld häufig nicht ausreichend kindgerecht ist und es eigentlich noch weitergehender Unterstützung oder auch Elternedukation über das 1. Jahr hinaus bedarf.

Liste zuklappen(geplanter) Praxistransfer

Babylotse Hamburg wird nach der positiven Evaluation derzeit in zwei Geburtskliniken in Hamburg angewendet.

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