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Multimodales Gesundheitsförderungsprogramm für Langzeitarbeitslose in Maßnahmen zur Förderung der beruflichen und sozialen Integration (MFI)

Allgemeines

Förderkennzeichen BMBF

01EL0806/0815

laufende Projektnummer

57

Kurzbeschreibung

Das Projekt hat sich die partizipative Entwicklung, Implementierung und wissenschaftliche Evaluation eines auf dem Multiplikatorenansatz beruhenden Präventionskonzepts für erwerbsfähige Langzeitarbeitslose im Setting von kommunal geförderten Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen zum Ziel gesetzt. Um die arbeitslosen Menschen zu erreichen, setzt das Projekt bei den pädagogischen Fachkräften der Maßnahmen an: In einer 3-tägigen, eigens dafür entwickelten Schulung sollen diese auf ihre neue Rolle als "Gesundheitscoach" vorbereitet werden. In einem zweiten Schritt bieten die Gesundheitscoaches ihren arbeitslosen Teilnehmern ein zielgruppenspezifisches Gesundheitskompetenztraining an, bestehend aus drei motivierenden Gesundheitsgesprächen („FIT-Beratung") und regelmäßigen Gruppenaktivitäten rund um das Thema Gesundheit („FIT-AG", 2-3 Wochenstunden, davon 1 Stunde verpflichtende Bewegungseinheit). In der "FIT-AG" sollen die Teilnehmer gesundheitsförderliche Fähigkeiten und Verhaltensweisen erlernen und einüben und dabei soziale Unterstützung erfahren. Die "FIT-AG" kann den Bedürfnissen der Teilnehmer angepasst und soll von diesen aktiv gestaltet werden (Prinzip Empowerment und Selbstmanagement). Durch Kooperation mit dem Ethno-medizinischen Zentrum bei Projektkonzeption und Multiplikatorenschulung soll dem hohen Migrantenanteil in der Zielgruppe Rechnung getragen und migrantenspezifischen Teilnahmebarrieren begegnet werden. Regelmäßige Fallkonferenzen dienen dem Erfahrungsaustausch und der fachlichen Unterstützung der Gesundheitscoaches und sind ein Element der Prozessevaluation. Die Ergebnisevaluation bewertet den gesundheitsförderlichen Effekt auf Teilnehmer- und Organisationsebene . Prozessevaluative Elemente sichern die Beteiligung der Zielgruppe an der Programmentwicklung. Schließlich erfolgt eine externe Evaluation der Pilotschulung.

Liste zuklappenKontaktdaten aller wissenschaftlicher Partner

Medizinische Hochschule Hannover (MHH)

Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Prof. Dr. Harald Gündel


Universitätsklinikum Ulm

Zentrum für psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Prof. Dr. Harald Gündel
Am Hochsträß 8
89081 Ulm
Telefon: 0731/500-61800
E-Mail: med.psychosomatik[at]uni-ulm.de


Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München

Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial-, und Umweltmedizin
PD Dr. med. Peter Angerer
Ziemssenstr. 1
80336 München
Telefon: 0049 89 5160 2440
Fax: 0049 89 5160 4564
E-Mail: peter.angerer@med.uni-muenchen.de

Projektförderung

Beginn / geplanter Beginn: Dezember 2008 Ende / geplantes Ende: November 2011 BMBF-Förderphase 4

Institution/Institutionen des/der Präventionspartner?

  • Ministerien und Einrichtungen auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene
  • Sonstiges
  • Sozialversicherung (z.B. Krankenkasse, Unfallkasse)
  • Verein

Bundesland / Bundesländer, in denen die Maßnahme statt findet

  • Bayern
  • Niedersachsen

Projektbeschreibung

gesundheitsbezogener Schwerpunkt des Projekts

  • Bewegung
  • Psyche / Stress
  • Sonstiges: Gesundheitskompetenz

Liste zuklappenAusgangssituation und theoretischer Hintergrund der Studie

Arbeitslose Menschen weisen ein erhöhtes gesundheitliches Risiko auf, das mit der Dauer der Arbeitslosigkeit weiter steigt. Finanzielle Probleme, sozialer Abstieg und gesellschaftliche Ausgrenzung können zu seelischen und körperlichen Erkrankungen führen. Mit dem Verlust der Arbeit scheint auch das Interesse an der eigenen Gesundheit nachzulassen: Arbeitslose Menschen leben im Vergleich zu Berufstätigen - statistisch gesehen - weniger gesund. Gesundheitliche Beeinträchtigungen stehen nicht selten auch der Arbeitsvermittlung im Wege. Maßnahmen zur Re-Integration in den Arbeitsmarkt berücksichtigen jedoch Krankheitsprävention und Förderung der Gesundheitskompetenz oft unzureichend. Gesundheitskompetenz stellt somit für arbeitslose Menschen eine Schlüsselqualifikation zur Bewältigung ihrer Lebenssituation und zur Verbesserung ihrer Vermittlungschancen dar. Arbeitslose gelten im Hinblick auf Prävention und Gesundheitsförderung als schwer erreichbar. Bestehende Programme der Primärprävention sind bei ihnen weniger effektiv.

Liste zuklappenHauptziele der Studie

Das Projekt verfolgt Zielsetzungen auf mehreren Ebenen:

  1. Auf Teilnehmer-Ebene (langzeitarbeitlose Menschen):
    Verbesserung der körperlichen, seelischen und sozialen Befindlichkeit durch Förderung der Gesundheitskompetenz, Motivierung zu gesundem Lebensstil,Stärkung von Eigenverantwortlichkeit und Selbstwirksamkeit (Prinzip Empowerment und Selbstmanagement). Mittelbar sollen auch die Reintegrations-Chancen in den 1. Arbeitsmarkt verbessert werden.
  2. Auf professioneller Ebene (pädagogische Mitarbeiter):
    Qualifizierung durch eine 3-tägige Schulung in Gesundheits-Coaching. Themen sind u.a. präventiv-medizinisches Basiswissen, besondere Aspekte der Gesundheitsförderung bei arbeitslosen Menschen, motivierende Gesprächsführung, migrations- und genderspezifische Aspekte von Gesundheit sowie Entwicklung von Umsetzungsstrategien.
  3. Auf institutioneller, d.h. Setting-Ebene:
    Schaffen von Rahmenbedingungen, die einen gesunden Lebensstil der Teilnehmer fördern und die Beschäftigung mit dem Thema Gesundheit ermöglichen (= Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung gesundheitsförderlicher Settings ).

Zielgruppen des Angebotes sind demnach:

  1. Langzeitarbeitslose Menschen im SGB-II-Bezug, die an einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahme teilnehmen.
  2. Pädagogische Mitarbeiter (Sozialarbeiter, -pädagogen, Psychologen) bzw. Arbeitsanleiter/Ausbilder der o.g. Maßnahmen, die zu Gesundheits-Coaches ausgebildet werden und als Multiplikatoren fungieren.
  3. Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen
    Soziale Betriebe bzw. fachpraktische Qualifizierungs- und Vermittlungsangebote.

Liste zuklappenZielgruppe

Altersgruppe

  • Menschen im höheren erwerbsfähigen Alter (51-65)
  • Menschen im mittleren erwerbsfähigen Alter (26-50)

Projekt richtet sich an

nicht geschlechtsspezifisch

Personengruppe

  • Professionelle als Multiplikatoren
  • Sozial benachteiligte Personen

Die Maßnahme wird in folgendem Setting durchgeführt:

  • sonstige: Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für langzeitarbeitslose Menschen

Methodik und Studiendesign

Ziele, die das Projekt verfolgt?

  • Entwicklung und/oder Erprobung von Interventionen
  • Ermittlung des Bedarfs
  • Evaluation der Wirksamkeit von Maßnahmen
  • Vernetzung bestehender Programme
  • Zugangswege

Welche Intervention wurde durchgeführt?

  • Beratung / Coaching / Hausbesuche
  • Informationsveranstaltungen
  • Schulung / Kurs / Training
  • Sonstige verhältnisbezogene Maßnahmen

Studiendesign

  • Experimentell
    • Interventionsstudie
      • Mit Kontrollgruppe

verwendete Methoden

  • Quantitative Methode: Standardisierte Befragung (Fragebogen/Interview), Beobachtung
  • Qualitative Methode: Diskussionsrunde / Fokusgruppen, Experteninterview, Beobachtung
  • Erhebung funktionaler und physiologischer Parameter

gemessene Outcomes?

  • Gesundheit: Lebensqualität, Intermediäre physiologische und funktionale Parameter, Intermediäre Verhaltenparameter
  • Kompetenz / Empowerment
  • Zugangswege
  • Akzeptanz / Zufriedenheit

Liste zuklappenBeschreibung von Methode und Vorgehensweise der Studie

Das 3-jährige Projekt sieht folgende Phasen vor: Konzeptions- und Schulungsphase, Durchführungsphase und Auswertungsphase.

Kernelement der Intervention ist die Schulung von Mitarbeiter/innen von Integrationsmaßnahmen für erwerbsfähige Langzeitarbeitslose zum „Gesundheitscoach “ (Train-the-Trainer-Ansatz). Schulungsthemen sind: präventiv-medizinisches Basiswissen, migrations- und genderspezifische Aspekte von Gesundheit, besondere Aspekte der Gesundheitsförderung bei arbeitslosen Menschen, motivierende Gesprächsführung, Durchführung von „FIT-Beratung“ und „FIT-AG“. Auf praktische Anleitungen und die gemeinsame Entwicklung von Umsetzungsstrategien wird besonderer Wert gelegt. Die Schulung soll dazu befähigen, arbeitslosen Menschen ein zielgruppenspezifisches Gesundheitskompetenztraining anzubieten, das folgende Elemente beinhaltet :

FIT-Beratung: individuelles motivierendes Gesundheitsgespräch auf Grundlage eines einfachen Gesundheits-Fragebogens, das zu Beginn, nach 3 und 12 Monaten angeboten werden soll. FIT-AG: regelmäßige Gruppenaktivitäten, um gesundheitsrelevante Fähigkeiten und Verhaltensweisen zu erlernen, einzuüben und dabei soziale Unterstützung zu erfahren (2-3 Stunden/Woche, davon eine Stunde Bewegungseinheit).

Die Gestaltung der FIT-AGs erfolgt partizipativ, so dass die Gruppenaktivitäten optimal an die Wünsche und Bedürfnisse der Teilnehmer angepasst und von diesen aktiv mitgestaltet werden können. Von den FIT-AGs soll ein Impuls für die gesundheitsförderliche Gestaltung des jeweiligen Settings ausgehen.

Regelmäßige Fallkonferenzen dienen dem Erfahrungsaustausch und der fachlichen Unterstützung der Gesundheitscoaches und stellen - neben einem prozessbegleitenden Monitoring - ein Element der Prozessevaluation dar.

Prozessevaluation: Aufgrund der bekannten Umsetzungsschwierigkeiten von Gesundheitförderung bei arbeitslosen Menschen, findet in allen Projektphasen eine umfangreiche summative und formative Prozessevaluation statt, um die Akzeptanz der Maßnahmen in der Zielgruppe sicherzustellen. Die Ergebnisse der Prozessevaluation fließen in die weitere Projektentwicklung und -otimierung ein.

Ergebnisevaluation: Es handelt sich um eine quasi-experimentelle Untersuchung mit Kontrollgruppe. Hauptzielparameter ist die Veränderung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (SF-12) nach 3 und 12 Monaten.

Ergebnisse und Praxistransfer

(vorläufige) Ergebnisse

Summative Evaluation der Schulungsmaßnahme

Sie basiert auf einer standardisierten Befragung der Teilnehmer (= Gesundheits-Coaches) mittels eines Kursbeurteilungsbogens. Von bisher 26 TeilnehmerInnen konnten 22 erreicht werden; 90% der Teilnehmer bewerteten die Schulungsmaßnahme positiv bis sehr positiv.

Erreichbarkeit der Zielgruppe

Von den insgesamt 270 Teilnehmern an den Informationsveranstaltungen konnten 190 für eine Teilnahme an dem Projekt gewonnen werden, was für diese Zielgruppe eine erstaunlich positive Resonanz darstellt. Als Erfolgsfaktoren für die Erreichbarkeit der Zielgruppe können folgende Punkte formuliert werden:

  • Setting-Ansatz und Multiplikatorenkonzept
  • Partizipationsmöglichkeiten auf allen Ebenen (Setting, Gesundheits-Coaches, arbeitslose Teilnehmer)
  • Teilnahme an FIT-Beratung und FIT-AG während der Arbeitszeit
  • Motivation von Studienteam/Gesundheits-Coaches, die sich bis zur Zielgruppe fortsetzt
  • Ansprechende Rahmenbedingungen (Strukturqualität)

Outcome-Evaluation

Erste Ergebnisse werden Ende 2010 erwartet.

Liste zuklappen(geplanter) Praxistransfer

Das vorgestellte Projekt erlaubt sowohl eine verhaltens- wie verhältnispräventive Evaluation von Gesundheitsförderung im Setting SGB II. Die Evaluationsergebnisse stellen die Grundlage für die geplanten nachhaltige, flächendeckende Praxisanwendung in den Maßnahmen zur Qualifizierung und Beschäftigung dar. Durch den salutogenetischen und ressourcenorientierten Ansatz kann ein gesundheitlicher wie ein beschäftigungspolitischer Gewinn für die Betroffenen angenommen werden. Für bekannte Hindernisse in der Qualitätssicherung von Präventionsmaßnahmen (Rosenbrock, 2004), wie z.B. materielle Unterausstattung von Projekten, Qualifikationsdefizite und mangelnde Motivation der Präventionsakteure, werden durch den Train-the-Trainer-Ansatz und die vereinbarten Kooperationen mit Präventionsanbietern konzeptionelle wie materielle Lösungen angeboten. Die Erfolgsaussichten für eine nachhaltige Fortführung der von uns vorgeschlagenen pragmatischen und mit den Präventionsanbietern abgestimmten Maßnahmen sind daher für den Fall des positiven Wirksamkeitsnachweis als sehr gut einzuschätzen.

Durch die Entwicklung des Schulungsprogramms für die Mitarbeiter der Maßnahmen auf Basis erprobter pädagogischer Prinzipien und die formative wie summative Evaluation des Trainingsprogramms können Best-Practice beschrieben werden. Diese werden publiziert und stehen so für die Wissenschaft, aber auch für die praktische Arbeit von Präventionsträgern und -anbietern zur Verfügung.

Weiterführende Informationen

Liste zuklappenProjektmaterialien

Projektflyer

Links

Link zur AG Angewandte Medizin und Psychologie der Arbeit

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Logo der Medizinischen Hochschule Hannover

Logo des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf

Logo der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung