Wir setzen auf dieser Website Cookies ein. Diese dienen dazu, Ihnen Servicefunktionen anbieten zu können sowie zu Statistik- und Analysezwecken (Web-Tracking). Weitere Informationen dazu und die Widerspruchsmöglichkeit zum Web-Tracking finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Kreisdiagramm mit Pfeilen

Logo KNP

Seiteninhalt

Projekt-Detailansicht

Logo des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Prävention stressbedingter Gesundheitsschäden in einem Industriebetrieb - eine randomisierte Interventionsstudie bei Männern mit erhöhtem Risiko

Allgemeines

Förderkennzeichen BMBF

01EL0415

laufende Projektnummer

15

Kurzbeschreibung

Chronischer Stress am Arbeitsplatz erhöht das Risiko gravierender Gesundheitsstörungen (insb. psychische Erkrankungen, Schmerzsyndrome und koronare Herzkrankheit). Durch eine randomisierte Studie soll die Wirkung einer gezielten Stressintervention auf Stressbeanspruchung und Morbidität über 22 Monate geprüft werden. 174 in Personal- und Organisationsverantwortung stehende Führungskräfte der Automobilproduktion werden zufällig der Interventionsgruppe oder einer Warte-Kontrollgruppe zugeteilt. Die mehrtägige Intervention, verteilt über 11 Monate, beinhaltet im Kern ein gruppenbasiertes Stressbewältigungstraining mit Einbeziehung der jeweiligen Vorgesetzten, um individuelle Resourcen zu stärken und strukturelle, verhältnispräventiv-wirksame Veränderungen anzustoßen. Gemessen wird die Veränderung individuell u.a. in Fragebogeninstrumenten, in biologischen Größen (Cortisol, Alpha-Amylase, Herzratenvariabilität) und Krankheitstagen. Die Wirksamkeit vorausgesetzt kann diese Intervention leicht in die betriebliche Gesundheitsförderung anderer Betriebe integriert werden und zu einer Erhöhung der Produktivität sowie des berufstätigen Anteils älterer Menschen beitragen.

Liste zuklappenKontaktdaten aller wissenschaftlicher Partner

Medizinische Hochschule Hannover (MHH)

Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Prof. Dr. Harald Gündel


Universitätsklinikum Ulm

Zentrum für psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Prof. Dr. Harald Gündel
Am Hochsträß 8
89081 Ulm
Telefon: 0731/500-61800
E-Mail: med.psychosomatik[at]uni-ulm.de


Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München

Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial-, und Umweltmedizin
PD Dr. med. Peter Angerer
Ziemssenstr. 1
80336 München
Telefon: 0049 89 5160 2440
Fax: 0049 89 5160 4564
E-Mail: peter.angerer@med.uni-muenchen.de

Dr. Mechthild Heinmüller (Ansprechpartnerin)
Ziemssenstr. 1
80336 München
Telefon: 089 5160 5305
Fax: 0049 89 5160 4564
E-Mail: mechthild.heinmüller[at]med.uni-muenchen.de

Projektförderung

Beginn / geplanter Beginn: April 2005 Ende / geplantes Ende: September 2009 BMBF-Förderphase 1

Institution/Institutionen des/der Präventionspartner?

  • Unternehmen

Bundesland / Bundesländer, in denen die Maßnahme statt findet

  • Bayern

Projektbeschreibung

gesundheitsbezogener Schwerpunkt des Projekts

  • Psyche / Stress
  • Prävention von chronischen Erkrankungen (z.B. KHK, Diabetes)

Liste zuklappenAusgangssituation und theoretischer Hintergrund der Studie

Chronischer Stress am Arbeitsplatz erhöht das Risiko gravierender Gesundheitsstörungen, wie z.B. psychische Erkrankungen, Schmerzsyndrome und koronare Herzkrankheit. „Nach den Muskel-Skelett-Erkrankungen liegen stressassozierte arbeitsbezogene Gesundheitsprobleme an zweiter Stelle vor Lungenerkrankungen und stellen zu 50-60% die Hauptursache für Fehlzeiten dar“ (WHO, 2004 nach Plaumann, Busse & Walter 2006). Für Unternehmen wie für die Forschung besteht daher ein zunehmender Handlungsbedarf für die Bereitstellung evidenzbasierter Programme zur Reduktion von arbeitsbezogenen Stress (Siegrist, 2006).

Liste zuklappenHauptziele der Studie

Die hier vorgestellte randomisierte Interventionsstudie zur Prävention stressbedingter Gesundheitsschäden in einem Industriebetrieb untersucht, ob durch die Teilnahme an einer multimodalen arbeits- und verhaltensmedizinischen Intervention eine signifikante Reduktion der individuellen Stressreaktivität erreicht wird. Alle Teilnehmer erhielten außerdem im Rahmen eines allgemeinen Gesundheitschecks eine Rückmeldung über ihre medizinischen Untersuchungsergebnisse mit individueller Risikoanalyse und 20-minütigem motivierenden Beratungsgespräch zu den für sie relevanten Themen (z.B. Ernährung, Bewegung, Rauchen, Alkohol, Entspannung/Stress). Zielgruppe sind Industriemeister und Schichtführer aus der Produktion sowie deren unmittelbaren Vorgesetzten, also Führungskräfte in typischer Sandwichposition.

Liste zuklappenZielgruppe

Altersgruppe

  • Menschen im höheren erwerbsfähigen Alter (51-65)
  • Menschen im mittleren erwerbsfähigen Alter (26-50)

Projekt richtet sich an

nicht geschlechtsspezifisch

Personengruppe

  • Personen mit spezifisch erhöhten Krankheitsrisiken

Die Maßnahme wird in folgendem Setting durchgeführt:

  • Betrieb

Methodik und Studiendesign

Ziele, die das Projekt verfolgt?

  • Entwicklung und/oder Erprobung von Interventionen
  • Ermittlung des Bedarfs
  • Evaluation der Wirksamkeit von Maßnahmen
  • Zugangswege

Welche Intervention wurde durchgeführt?

  • Beratung / Coaching / Hausbesuche
  • Informationsveranstaltungen
  • Management-/Organisationsbezogene Intervention
  • Schulung / Kurs / Training

Studiendesign

  • Experimentell
    • Interventionsstudie
      • Mit Kontrollgruppe

verwendete Methoden

  • Quantitative Methode: Standardisierte Befragung (Fragebogen/Interview)
  • Qualitative Methode: Diskussionsrunde / Fokusgruppen
  • Erhebung funktionaler und physiologischer Parameter

gemessene Outcomes?

  • Gesundheit: Intermediäre physiologische und funktionale Parameter, Intermediäre Verhaltenparameter
  • Akzeptanz / Zufriedenheit

Liste zuklappenBeschreibung von Methode und Vorgehensweise der Studie

In einem randomisierten Interventions-/Wartekontrollgruppendesign konnten von 262 potentiellen Teilnehmern schließlich 174 Personen (67%) in die Studie eingeschlossen werden. Alle Teilnehmer erhielten einen individuellen Gesundheitscheck mit Beratung zu Beginn, nach einem und nach zwei Jahren. Die eine Hälfte (Interventionsgruppe, IG) erhielt bereits im ersten Jahr ein Stressbewältigungstraining (SBT), bestehend aus einem zweitägigen Basisteil und 2 halbtägigen Folgetreffen. Die Kontrollgruppe (KG) erhielt das SBT im 2. Jahr.

Ergebnisse und Praxistransfer

(vorläufige) Ergebnisse

174 Mitarbeiter (171 Männer, 3 Frauen, Alter 40,9 ± 7,78 Jahren) wurden in die Studie eingeschlossen, 154 (88,5%) nahmen an der Kontrolluntersuchung nach 1 Jahr teil. Zum zweiten Messzeitpunkt nach 2 Jahren wurden die Daten von 131 Teilnehmern ausgewertet.

Ergebnisse der Gesundheitschecks für alle Teilnehmer: Es ließ sich insgesamt eine signifikante Zunahme der sportlichen Aktivität (1 vs. 1,27 h/Woche, p = 0,001) und des Anteils antihypertensiv Behandelter (7,1 vs. 11,4%, p = 0,039) sowie eine Senkung des Blutdrucks (134/89 vs. 131/86 mmHg, p = 0,001), des LDL/HDL-Cholesterin-Quotienten (3,20 vs. 3,02, p = 0,000) und des täglichen Zigarettenkonsums (13,2 vs. 10,3/d, p = 0,000) erzielen, nicht jedoch eine signifikante Gewichtsreduktion. Unterschiede zwischen Interventionsgruppe und Kontrollgruppe fanden sich bei diesen Parametern nicht. Ergebnisse der multimodalen arbeits- und verhaltensmedizinischen Intervention: Sowohl in der Kontroll- als auch in der Interventionsgruppe reduzierte sich die a priori-Hauptzielvariable Stressreaktivität (SRS-Gesamt) signifikant. Jedoch ist in der Interventionsgruppe der positive Effekt signifikant höher, d.h. jene Mitarbeiter, die am Stresspräventionsseminar teilgenommen haben, zeigten nach 11 Monaten signifikant weniger Stressreaktivität als Mitarbeiter ohne Seminarteilnahme. In der Interventionsgruppe ergaben sich auch bei allen Subskalen der Stressreaktivität positive Veränderungen. Eine zweifaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholungen zeigte einen signifikanten Interaktionseffekt (Gruppe versus Zeit) [F(5.932) = 0.624; p = 0.016], mit einer größeren Reduktion der Stressreaktivität in der Interventionsgruppe. Positive Veränderungen konnten auch beim chronischen Stress, der Depressivität sowie der Effort Reward Imbalance festgestellt werden, wobei hier keine signifikanten Unterschiede zwischen Interventions- und Kontrollgruppe nachgewiesen werden konnten.

Nach zwei Jahren zeigte sich sowohl in der IG als auch verstärkt in der KG eine weitere Abnahme der Stressreaktivität, so dass zum einen die Nachhaltigkeit der Wirkung, zum anderen die Reproduzierbarkeit des Effekts der Intervention angenommen werden kann. Auch bei mehreren sekundären Zielparametern der psychischen Gesundheit waren positive Effekte zu beobachten (Depression, Angst, chronischer Stress, Effort-Reward-Imbalance), die umso ausgeprägter ausfielen, je deutlicher sich die Stressreaktivität veränderte. Keine eindeutigen Effekte ließen sich bei den biologischen Stresskorrelaten Cortisol, Amylase und Herzratenvariabilität erkennen. Nach einem und nach zwei Jahren zeigte sich in beiden Gruppen eine signifikante Zunahme der sportlichen Aktivität, eine Reduktion des täglichen Zigarettenkonsums, eine signifikante Verbesserung der Blutfette (Anstieg des HDL-Cholesterins, Abfall der LDL/HDL-Ratio) und eine Senkung des Blutdrucks, nicht jedoch eine signifikante Gewichtsreduktion.

Liste zuklappen(geplanter) Praxistransfer

Praxistransfer hinsichtlich des Kooperationspartners: Die positive Rückmeldung der Teilnehmer zum Studienprojekt und die positiven Outcome-Ergebnisse führen beim Kooperationspartner zu maßgeblichen zusätzlichen Aktivitäten im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung: Seminare zum „gesunden“ Führungsstil, verhältnispräventive Maßnahmen, wie Re-Organisation in der Zielgruppe des Studienprojektes, verstärktes Angebot an Sport- und Gesundheitsmaßnahmen im Betrieb, Beginn eines zusätzlichen Projektes zur betrieblichen Gefährdungs- und Belastungsanalyse. Praxistransfer hinsichtlich wissenschaftlicher Themen: Ableitung eines „Core-Sets“ an Instrumenten und Fragen zur Rückmeldung von Gesundheitsdaten und zur Identifizierung von gefährdeten Mitarbeitern Festlegung von Kriterien zur erfolgreichen Implementierung von Gesundheitsförderprojekten, z.B. Unterstützung durch Werksleitung, Personalabteilung und Betriebsarzt sowie Beziehungskompetenz der durchführenden Ärzte und Trainer Sicherung der Nachhaltigkeit durch Boosterprinzip und nachhaltig angelegten Beziehungsaufbau.

Liste zuklappenPublikationen

Publikation zu den Baselineergebnissen:
Limm H, Angerer P, Heinmüller M, Marten-Mittag B, Nater UM, Gündel H: Self-perceived stress reactivity is an indicator of psychosocial impairment at the workplace. BMC Public Health 2010, 10:252

Publikation zu den Ergebnissen nach 11 Monaten:
Heribert Limm, Harald Gündel, Mechthild Heinmüller, Birgitt Marten-Mittag, Urs M. Nater, Peter Angerer: Stress management interventions in the workplace improve perceived stress reactivity: a randomized controlled trial. Journal of Occupational Health Psychology 2010 (in press)

Abstracts und Posterveröffentlichungen:
Vortrag und Posterpräsentation auf der Jahrestagung der DGAUM (Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin) in Mainz 2007

  • Mechthild Heinmüller. Jochen Strümpell. Heribert Limm. Harald Gündel. Peter Angerer: Beruflicher Stress und Stressreaktivität – Einflussfaktoren auf die Herzratenvariabilität.
  • Heribert Limm. Jürgen Glaser. Mechthild Heinmüller. Harald Gündel. Peter Angerer: Psychische Gefährdungs- und Belastungsanalyse in einem Industriebetrieb: Ergebnisse einer Pilotbefragung.

Einreichung von zwei Vorträgen für den Kongress der DGPM (Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin) in Nürnberg 2007:

  • H Limm. J Glaser. M Heinmüller. P Angerer. H Guendel: Psychische Gefährdungs- und Belastungsanalyse: Notwendigkeit von verhaltens- und verhältnispräventiven Interventionen in einem großen Industrieunternehmen.
  • Mechthild Heinmüller. Heribert Limm. Birgitt Marten-Mittag. Peter Angerer. Harald Gündel: Psychosoziale und biologische Merkmale bei Führungskräften eines Industriebetriebs. Erkenntnisse zum Zusammenhang von Körper und Seele am Arbeitsplatz

Posterpräsentation auf der Jahrestagung der DGAUM (Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin) in Hamburg 2008:

  • Mechthild Heinmüller. Heribert Limm. Julian Laufer. Harald Gündel. Peter Angerer: Gesundheitscheck und individuelle Beratung – sinnvolle Instrumente der betrieblichen Gesundheitsförderung.

Einreichung eines Abstracts für den Kongress der DGPM (Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin) in Freiburg 2008:

  • Heribert Limm. Peter Angerer. Mechthild Heinmüller. Birgitt Marten-Mittag. Harald Gündel: Nachhaltige Effektivität eines Stressbewältigungstrainings bei produktionsnahen Führungskräften in einem Industriebetrieb.

Einreichung eines Vortrags für “Third ICOH International Conference on Psychosocial Factors at Work. (International Committee of Occupational Health) in Quebec. 1-4. September 2008:

  • Angerer P. Limm H. Heinmüller M. Siegrist J. Gündel. H: Stress management at the workplace: a randomized. prospective. controlled trial

Logo des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Logo der Medizinischen Hochschule Hannover

Logo des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf

Logo der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung