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Projekt-Detailansicht

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Entwicklung und Validierung eines Monitoringinstrumentes zur Messung der Tabakpolitik an Schulen

Allgemeines

Förderkennzeichen BMBF

01EL0403

laufende Projektnummer

4

Kurzbeschreibung

Das Vorhaben beinhaltete die Entwicklung und Validierung eines zuverlässigen Monitoringinstrumentes zur Messung der Tabakkontrollpolitik an Schulen und die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen der Umsetzung einer Tabakkontrollpolitik in Schulen und dem Rauchverhalten und den tabakbezogenen Einstellungen der Schüler/innen. Es gliederte sich in drei Phasen:

  1. Entwicklung eines Monitoringinstrumentes zur Erfassung der Umsetzung der schulischen Tabakpolitik und Erprobung an Pilotschulen
  2. Im Rahmen einer Querschnittsanalyse Untersuchung des Zusammenhanges zwischen dem Grad der Umsetzung einer Tabakpolitik und dem Rauchverhalten bzw. den tabakspezifischen Einstellungen (Tabakdistanz) der Schüler/innen
  3. Erhebung der Veränderung im Tabakkonsum bei den Schüler/innen und Lehrpersonen nach der Einführung des BZGA-Leitfadens "Auf dem Weg zur rauchfreien Schule" .

Ziel war die zur Verfügungstellung einer Methode, anhand derer Schulen sich hinsichtlich ihrer Tabakpolitik einordnen können. Der Einfluß der Tabakpolitik bzw. einzelner Aspekte der Tabakpolitik auf das Rauchverhalten sollte untersucht werden. Die Dimensionen des Instruments sollten ein Qualitätsmanagement zur Verbesserung der Tabakpolitik in Schulen anstoßen.

Liste zuklappenKontaktdaten aller wissenschaftlicher Partner

IFT Institut für Therapieforschung, München

Prof. Gerhard Bühringer

Dr. Anneke Bühler (Ansprechpartnerin)
Parzivalstraße 25
80804 München
Telefon: 089/36080483
Fax: 089/36080469
E-Mail: buehler@ift.de

Projektförderung

Beginn / geplanter Beginn: Dezember 2004 Ende / geplantes Ende: Mai 2007 BMBF-Förderphase 1

Institution/Institutionen des/der Präventionspartner?

  • Ministerien und Einrichtungen auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene

Bundesland / Bundesländer, in denen die Maßnahme statt findet

  • Bayern

Projektbeschreibung

gesundheitsbezogener Schwerpunkt des Projekts

  • Sucht (z.B. Tabak, Alkohol)
  • Sonstiges: Verhältnisprävention

Liste zuklappenAusgangssituation und theoretischer Hintergrund der Studie

Menschen, die in jungen Jahren mit dem Rauchen anfangen, werden meist starke Raucher und tragen ein erhöhtes Risiko, frühzeitig an rauchbedingten Erkrankungen zu sterben. Neueste Studien zeigen, dass die Raucherprävalenzen in den letzten Jahren stagnieren bzw. leicht rückläufig sind, aber auf hohem Niveau verbleiben. Die Forschungsaktivitäten zur Kontrolle des Rauchens bei Jugendlichen konzentrieren sich auf verhaltensbezogene Methoden zur Verhinderung des Rauchens bzw. zur Unterstützung des Ausstiegs. Verhältnispräventive Maßnahmen, die die Lebenswelten protektiv verändern, in denen Jugendliche heranwachsen, werden kaum umgesetzt und untersucht. Noch weniger als verhältnispräventive Evaluationsstudien gibt es empirisch abgesicherte Instrumente zur Erfassung der tabakrelevanten Merkmale der potenziellen Präventionssettings wie zum Beispiel die Schule.

Liste zuklappenHauptziele der Studie

Ziele des Forschungsprojekts waren (1) die Entwicklung eines zuverlässigen Monitoringinstruments zur Messung der Tabakkontrollpolitik an Schulen und (2) die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen der Umsetzung einer Tabakkontrollpolitik in Schulen und dem Rauchverhalten sowie den tabakbezogenen Einstellungen der Schüler/innen.

Liste zuklappenZielgruppe

Altersgruppe

  • Jugendliche und junge Erwachsene (15-25)
  • Schülerinnen und Schüler (11-14)

Projekt richtet sich an

nicht geschlechtsspezifisch

Personengruppe

  • Trifft nicht zu

Die Maßnahme wird in folgendem Setting durchgeführt:

  • Schule

Methodik und Studiendesign

Ziele, die das Projekt verfolgt?

  • (Weiter-)Entwicklung von Erhebungsinstrumenten
  • Entwicklung und/oder Optimierung von Qualitätssicherung
  • Zusammenstellung für die Praxis

Welche Intervention wurde durchgeführt?

  • keine

Studiendesign

  • Experimentell
    • Interventionsstudie
      • Mit Kontrollgruppe
  • Beobachtend

verwendete Methoden

  • Quantitative Methode: Standardisierte Befragung (Fragebogen/Interview)
  • Längsschnittstudie

gemessene Outcomes?

  • Gesundheit: Intermediäre Verhaltenparameter
  • Kompetenz / Empowerment
  • Versorgungsdaten

Liste zuklappenBeschreibung von Methode und Vorgehensweise der Studie

In dem dreigliedrigen Vorhaben wurde zunächst ein Instrument zur Erfassung der Umsetzung schulischer Tabakpolitik entwickelt und erprobt. Im zweiten Schritt wurde dann das Instrument zur Analyse des Zusammenhangs zwischen Grad der Umsetzung schulischer Tabakpolitik und dem Rauchverhalten der Schüler eingesetzt. Schließlich wurde die Veränderung der Tabakpolitik der Schulen und des Rauchverhaltens der Schüler bei Umsetzung eines systembezogenen Leitfadens zur Umsetzung von tabakpolitischen Maßnahmen untersucht. Dazu wurde eine längsschnittliche Studie mit zwei Befragungszeitpunkten in Schulen, die bereits an einer Maßnahme zur Förderung der schulischen Tabakpolitik teilnahmen, und Schulen, die nicht an einer solchen Maßnahme teilnahmen, durchgeführt. Die Schulen wurden aus dem Modellprojekt „Rauchfreie Schule Bayern“ über die Bayerischen Staatsminiserien für Unterricht und Kultus sowie für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (n=30) rekrutiert sowie 21 weitere, gematchte Schulen über die Schuldatenbank zur Teilnahme motiviert. An der ersten Haupterhebung der Studie zum Ende des Schuljahres 2004/2005 nahmen N= 42 Schulen und N= 3364 Schüler teil. Die zweite Haupterhebung fand ein Jahr später statt. Daraus stehen Datensätze von n=32 Schulen und n=2496 Schülern zur Verfügung. Für die Validierung der Selbstaussagen der Schüler zum eigenen Rauchverhalten wurden zwei Schulen (n=84 Schüler) zufällig ausgewählt. Für die endgültige psychometrische Überprüfung des Instruments wurden Angaben der repräsentativen Stichprobe eines anderen Forschungsprojekts mit N=607 Schulen genutzt. Vertreter des Lehrerkollegiums wurden zu den Rauchverboten und vorhandenen Bestimmungen zur Kontrolle des Tabakkonsums an den einzelnen Schulen per Fragebogen befragt. Schüler wurden zu ihrem aktuellen Rauchverhalten und ihren Einstellungen zum Rauchen und Tabakpolitik befragt.

Ergebnisse und Praxistransfer

(vorläufige) Ergebnisse

Mit der nun zur Verfügung stehenden Checkliste „Schulische Tabakpolitik“ steht ein Monitoringinstrument zur Verfügung, das als reliabel und valide bezeichnet werden kann. Es umfasst fünf Skalen: Verankerung und Organisation (5 Items, α=.70), Durchsetzung der Regelungen für Schüler (3 Items, α=.82 , Durchsetzung der Regelungen für das Schulpersonal (2 Items, α=.71), Förderung des Nichtrauchens (2 Items, α=.52) und Rauchverbote (2 Items, α=.51). Sie ist praktikabel und handlungsorientiert, d.h. es wird abgebildet, inwiefern die derzeit praktizierte Tabakpolitik von der effektivsten Politik entfernt ist und damit nächste Handlungsschritte aufgezeigt.

Zusammenhang zwischen schulischer Tabakpolitik und Rauchverhalten der SchülerInnen: Bei der Analyse der subjektiven Wahrnehmung der Tabakpolitik durch die Schüler, zeigte sich für die jüngeren Schüler ein Einfluss der Rauchverbote an der Schule. Jugendliche in Schulen, die keine Regelungen zum Rauchen für Schüler haben, haben ein erhöhtes Risiko, Raucher zu sein. Für ältere Schüler erhöhte die Wahrnehmung rauchender Lehrer auf dem Schulgelände das Rauchrisiko. Im Rahmen eines komplexen Mehr-Ebenen-Modells, welches die objektiveren Angaben der Suchtbeauftragten zur Tabakpolitik berücksichtigte, zeigte sich ebenfalls ein positiver Effekt umfassender Rauchverbote für Schüler. In Schulen mit entsprechenden Verboten rauchten weniger Schüler. Zusätzlich war die Implementation von evidenzbasierten Präventionsmaßnahmen mit einer niedrigeren Rauchprävalenz verbunden. Im Gegensatz zu anderen oder keinen Präventionsprogrammen war die Durchführung von Lebenskompetenzprogrammen oder Nichtraucher-Wettbewerben mit weniger Rauchen unter den Schülern verbunden. Alle anderen erfassten Merkmale schulischer Tabakpolitik zeigten keine signifikanten Effekte auf das Rauchverhalten der Schüler.

Inwiefern durch eine gezielte Beeinflussung der Schulpolitik die Einstellungen zum Rauchen und das Rauchverhalten der SchülerInnen und Lehrkräfte verändert werden können, ist durch den längsschnittlichen Vergleich beider Schulgruppen zu beantworten. Allerdings muss hier betont werden, dass es sich hier nicht um eine Beobachtung der Veränderung vor und ein Jahr später handelt, da kein richtiger Vortest vorliegt. Die Rauchprävalenz der Schüler ist von 13.7 Prozent zur ersten Erhebung auf 20.6 Prozent zur zweiten Erhebung gestiegen. Es gibt keine Unterschiede zwischen den Schulen der Modell- und der Kontrollgruppe. Differenziert man die Ergebnisse jedoch bezüglich der einzelnen Schultypen, finden sich vor allem in den Haupt- und Realschulen ohne systematisch eingeführte Tabakpolitik ungünstigere Verlaufsmuster. Schließlich kann gemessen an der Sensitivität und Spezifität der biochemischen Validierung von einer sehr guten Übereinstimmung zwischen den Selbstauskünften der Jugendlichen und den Speichelproben gesprochen werden. Allerdings ist eine Differenzierung der Ergebnisse anhand der Ausprägung der Tabakpolitik aufgrund der zu geringen Anzahl von Rauchern in der validierten Stichprobe (n = 7 von 84 Schülern) nicht möglich.

Liste zuklappen(geplanter) Praxistransfer

Ziel des Forschungsprojekts war die Bereitstellung eines Monitoringinstruments, mit dem sich Schulen in Zukunft ohne externe Hilfe hinsichtlich ihrer Tabakpolitik einordnen können. Dieses Instrument soll ein Qualitätsmanagement zur selbständigen Verbesserung der schulischen Tabakpolitik ermöglichen.
Durch die Erfahrungen und Ergebnisse des Projekts sollten die teilnehmenden Schulen und die Bayerischen Staatsministerien für Unterricht und Kultus sowie für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz bei der Einführung eines gesetzlichen Rauchverbots an Schulen im Freistaat unterstützt werden.
Ergebnisse des Projekts sollten in aktuelle Empfehlungen zur schulischen Suchtprävention und in die Überarbeitung des BZgA-Leitfadens „Auf dem Weg zur rauchfreien Schule“ einfließen.

Liste zuklappenPublikationen

  • Bühler A, Piontek D, Herberich E (2010). Checkliste „Tabakpolitik an der Schule“ –Entwicklung eines praxisorientierten, reliablen und validen Instruments. Public Health Forum 18:28-30.
  • Piontek, D., Bühler, A. & Kröger, C. (2007). Schulische Tabakprävention. Zur Wirksamkeit verhältnispräventiver Maßnahmen gegen das Rauchen von Jugendlichen. Prävention und Gesundheitsförderung, 2 (2), 129 – 135.
  • Piontek, D., Bühler, A., Rudolph, U., Metz, K., Kröger, C., Gradl, S., Flöter, S. & Donath, C. (2007). Social contexts in adolescent smoking: Does school policy matter? Health Education Research, Advance Access, doi:10.1093/her/cym063.
  • Piontek, D., Bühler, A., Donath, C., Flöter, S., Rudolph, U., Metz, K., Gradl, S. &Kröger, C. (2008). School context variables and adolescents’ smoking. Testing a mediation model through multilevel analysis. European Addiction Research.14 (1), 53–60

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