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Essstörungen bei Jugendlichen
vorbeugen

Jedes fünfte Kind kämpft heute mit Übergewicht - Tendenz nach neuesten OECD-Daten steigend. Oft droht ein Teufelskreis aus gehänselt werden, sozialem Rückzug, Bewegungsmangel, Frustessen und weiterer Gewichtszunahme. Mindestens ein Viertel der jugendlichen Mädchen hat ein problematisches Ess-Verhalten und schon in der Grundschule ist jedes zweite Mädchen und jeder dritte Junge unzufrieden mit der eigenen Figur. Die Mädchen möchten gerne dünner sein, die Jungen wollen mehr Muskeln. Mit dem Wunsch anders auszusehen geht häufig gezügeltes Essen, Erbrechen oder das Ausprobieren von Medikamenten einher. Dies mündet bei ca. 5% der Mädchen und bei ca. 1-2% der Jungen in eine Essstörung, wie Magersucht oder Bulimie.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, wurden seit 2004 am Uniklinikum Jena in Kooperation mit dem Thüringer Kultusministerium die Präventionsprogramme PriMa, TOPP und Torera als jeweils 9-stündige Unterrichts-Lektionen entwickelt. Die Programme verstehen sich als fächerübergreifende Bausteine im Bereich Ernährung, Bewegung und Selbstkompetenz, als Basis für ein umfassendes Gesundheitskonzept der Schulen. Startpunkt ist der Beginn der Pubertät (6. Klasse). Da die körperliche Entwicklung und die Auseinandersetzung damit in dieser Phase sehr unterschiedlich verlaufen, werden Mädchen und Jungen zunächst getrennt. PriMa steht für „Primärprävention Magersucht“ und richtet sich gezielt an Mädchen, indem anhand der sog. Barbie-Matrix die Gefahren der Entwicklung einer Anorexie veranschaulicht werden. TOPP - Teenager ohne pfundige Probleme - soll bei Jungen Bewegungsmangel und Übergewicht vorbeugen und die soziale und emotionale Kompetenz in der Gruppe der Gleichaltrigen stärken.

Zentrales methodisch-didaktisches Element der Programme ist das Hervorrufen einer Selbstreflexion durch das Prinzip des gedanklichen Gegensatzes („kognitive Dissonanz“). Auf Postern sind zwei Darstellungen zu sehen, die nicht zueinander passen, z. B. ein strahlendes, „cooles“ Mädchen (verkörpert durch eine Barbie-Puppe) und daneben das Zitat einer Magersüchtigen. Der Lehrer greift die widersprüchlichen Eindrücke auf und lässt darüber diskutieren. Ziel sind neue Einsichten über das eigene Essverhalten und die Einstellung zum Schlanksein. Daneben ist es aber auch wichtig, praktisch zu üben. So gibt es bei TOPP ein Gruppenspiel zur Ernährungspyramide mit Bewegungselementen. Im Folgeprogramm Torera (spanisch für „Stierkämpferin“) für die 7. Klasse setzen sich Mädchen und Jungen gemeinsam mit den Themen Bulimie, Fressanfälle und Übergewicht auseinander. Hier werden vor allem emotionale Probleme in der Familie oder mit Gleichaltrigen durch Rollenspiele erlebbar und damit veränderbar gemacht.

Die Programme wurden umfassend evaluiert und in Form eines Buches und verschiedener Fachartikel publiziert (siehe www.mpsy.uk-j.de/BMBF_Essstörungen.html). Sie sind bereits an über 100 Schulen in Thüringen etabliert und können über das Heidelberger Präventionszentrums (www.h-p-z.de) inkl. Lehrerfortbildung bezogen werden.

Kontakt:
PD Dr. U. Berger
Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie
Universitätsklinikum Jena
uwe.berger@med.uni-jena.de

Hier finden Sie mehr zur Evaluation von  PriMa und Torera in der KNP-Projektdatenbank.


Quelle: PD Dr. Uwe Berger

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