Wir setzen auf dieser Website Cookies ein. Diese dienen dazu, Ihnen Servicefunktionen anbieten zu können sowie zu Statistik- und Analysezwecken (Web-Tracking). Weitere Informationen dazu und die Widerspruchsmöglichkeit zum Web-Tracking finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Kreisdiagramm mit Pfeilen

Logo KNP

Seiteninhalt

Projekt-Detailansicht

Keiner fällt durchs Netz

Allgemeines

laufende Projektnummer

85

Kurzbeschreibung

Der Drei-Stufen-Plan

Das Projekt "Keiner fällt durchs Netz" will vor allem jene Mütter und Väter nach der Geburt eines Kindes unterstützen, die nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen, um ihren Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. In einem dreischrittigen Vorgehen soll ein Zugang zu den Familien sehr früh gefunden und ausgebaut werden.

Von den Teams auf den Geburtsstationen werden denjenigen Eltern Hebammen vermittelt, die sich nicht bereits aus eigener Initiative um Unterstützung durch eine Hebamme bemüht haben (Schritt 1).Hebammen (aber auch Interessierte anderer Berufsgruppen) werden zu Expertinnen ausgebildet, um die Eltern ab der Geburt des Kindes in basalen elterlichen Kompetenzen zu fördern (Schritt 2) – entweder in Elternkursen („Das Baby verstehen“) oder durch Hausbesuche mit einem erweiterten Konzept von „Das Baby verstehen“, das im Umfang dem bewährten Curriculum der „Familienhebammen“ entspricht. Durch die Sensibilisierung in den Elternkursen oder im Rahmen der Hausbesuche können die hilfesuchenden Eltern gebunden werden und in Fällen, wo die Hebammen mit Hilfe eines Screenings Risikokonstellationen identifizieren, in einem weiteren Schritt 3 an die bestehenden vom Gesetzgeber vorgehaltenen Hilfeeinrichtungen vermittelt werden. Dort läuft dann das eigentliche Hilfeprogramm an.

Begleitet wird das Projekt von einem einzurichtenden Arbeitskreis „Netzwerk für Eltern“, das aus den ExpertInnen und Vertretern aller an der Prävention und Intervention in der frühen Kindheit beteiligten Institutionen und Berufsgruppen besteht.

Projektförderung

Beginn / geplanter Beginn: Juni 2007 Ende / geplantes Ende: Dezember 2014

Die Förderung des Projektes erfolgte durch

  • Einrichtungen des Bundes: BMFSFJ
  • Einrichtungen der Bundesländer: Familienministerien Hessen und Saarland
  • Stiftungen: Hessenstiftung

Bundesland / Bundesländer, in denen die Maßnahme statt findet

  • Baden-Württemberg
  • Hessen
  • Saarland

Projektbeschreibung

gesundheitsbezogener Schwerpunkt des Projekts

  • Psyche / Stress
  • Gewaltprävention
  • Früherkennung von Krankheiten und Beeinträchtigungen
  • Soziale Kompetenz

Liste zuklappenAusgangssituation und theoretischer Hintergrund der Studie

Das Projekt Keiner fällt durchs Netz basiert auf den theoretischen Grundlagen und praktischen Erfahrungen bewährter Bausteine der Frühförderung, wie sie bereits seit 2006 im Rahmen einer Praktikabilitätsstudie des Elternseminars "Das Baby verstehen" unter Förderung der Karl-Kübel-Stiftung erprobt werden.

Nicht erst durch die erschreckenden Fälle von Kindesverwahrlosung, -misshandlung und -tötung sowie der Gewaltbereitschaft von Jugendlichen ist ein soziales Präventionssystem in aller Munde. Möglichst früh Gefahren aufzudecken, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist, bleibt Aufgabe des Gemeinwesens. Investitionen in die sichere psychosoziale Entwicklung der Kinder zahlen sich langfristig aus, weil spätere Interventionen kostspieliger und weniger wirksam sind. Je früher die zunächst gescheute Investition erfolgt, desto wirksamer können soziale Folgekosten gesenkt werden.

Liste zuklappenHauptziele der Studie

Keiner fällt durchs Netz zielt auf die Identifikation und den Zugang zur sogenannten "Risikofamilie".

Obwohl viele Familien in Deutschland nicht in der Lage sind, ihren Kindern eine angemessen gute Kindheit zu gewährleisten, sind Konzepte zur Prävention und Intervention zur Abwendung von Risiken bei Kindern noch nicht ausreichend vorhanden. Insbesondere fehlen Ansätze, die einen Zugang zu den belasteten Familien ermöglichen, um diese individuell fördern zu können. Störungen der Eltern-Kind-Beziehung können sich in dieser frühen Zeit durch mangelnde Fürsorge, fehlende Wertschätzung und unsichere Bindung an die Bezugspersonen wegen damit einhergehender dysfunktionaler Anpassungsprozesse und Reifeverzögerun-gen des Kindes rasch entwickeln. Dies potenziert wiederum die Konfliktdynamik und den Belastungsgrad der ohnehin vorbelasteten und meistens auch gefährdeten Familien. Die Konfrontation mit Problemen auf ganz unterschiedlichen Ebenen (z.B. Partnerschaft, Störung der Eltern-Kind-Beziehung, Arbeitslosigkeit und Armut) nimmt den Familien dann rasch die Initiative und Zuversicht, sich an eine hilfeanbietende Institution zu wenden.

Risikokonstellationen müssen deshalb so früh wie möglich vor oder nach der Geburt des Kindes „entdeckt“ werden, um Negativspiralen zu verhindern. Ziel von Keiner fällt durchs Netz ist, dass bestehende Hilfestellungen in der frühen Kindheit bei belasteten Familien ankommen, bevor es zu einer Gefährdung des Kindeswohls kommt.

Liste zuklappenZielgruppe

Altersgruppe

  • Säuglinge (0-1)

Projekt richtet sich an

nicht geschlechtsspezifisch

Personengruppe

  • Bevölkerungsgruppen in risiko-erhöhten Lebensphasen
  • Professionelle als Multiplikatoren
  • Sozial benachteiligte Personen

Die Maßnahme wird in folgendem Setting durchgeführt:

  • Familie / Haushalt
  • Krankenhaus / Rehaeinrichtungen
  • Punktuell wahrgenommene Einrichtung des Gesundheitswesens (Artzpraxis, Apotheke, ambulante Pflege)
  • sonstige: Familienbildung

Methodik und Studiendesign

Ziele, die das Projekt verfolgt?

  • (Weiter-)Entwicklung von Erhebungsinstrumenten
  • Entwicklung und/oder Erprobung von Interventionen
  • Entwicklung und/oder Optimierung von Qualitätssicherung
  • Ermittlung des Bedarfs
  • Evaluation der Wirksamkeit von Maßnahmen
  • Identifikation von Zielgruppen
  • Strukturbildung
  • Vernetzung bestehender Programme
  • Zugangswege
  • Zusammenstellung für die Praxis

Welche Intervention wurde durchgeführt?

  • Beratung / Coaching / Hausbesuche
  • Informationsveranstaltungen
  • Schulung / Kurs / Training
  • Sonstiges: Beratung der Eltern im Eins-zu Eins-Setting

Studiendesign

  • Experimentell
    • Interventionsstudie
      • Mit Kontrollgruppe
  • Sonstiges : Prozessevaluation

verwendete Methoden

  • Quantitative Methode: Standardisierte Befragung (Fragebogen/Interview), Beobachtung
  • Qualitative Methode: Leitfrageninterview
  • Analyse von Sekundärdaten
  • Längsschnittstudie
  • sonstiges : Untersuchung der kindlichen Entwicklung zu jedem Ergebungszeitpunkt

gemessene Outcomes?

  • Kompetenz / Empowerment
  • Strukturbildung
  • Zugangswege
  • Akzeptanz / Zufriedenheit
  • Sonstiges : Kindliche Entwicklungsparameter; Veränderung der mütterlichen Feinfühligkeit in der Interaktion mit dem Kind

Liste zuklappenBeschreibung von Methode und Vorgehensweise der Studie

Das „Projekt Frühe Interventionen für Familien – PFIFF“ wird als Begleitforschung für das Projekt „Keiner fällt durchs Netz“ durchgeführt. Es hilft herausfinden, was im Einzelnen zum Erfolg der Frühförderung beiträgt und welche Maßnahmen nicht zu empfehlen sind.

Für die Ergebnisevaluation wird ein Vergleich von sozial stark belasteten Familien, die eine Intervention bekommen, und solchen, die keine Intervention bekommen, durchgeführt. Ansonsten könnten Veränderungen im Laufe des Interventions-zeitraums lediglich entwicklungsbedingt sein und nicht wie intendiert positive Effekte der Intervention darstellen. Es handelt sich hier um eine quasiexperimentelle Studie, d.h. um eine kontrollierte Studie unter naturalistischen Bedingungen, bei der die Zuweisung zu Interventions- und Kontrollgruppe nicht zufällig erfolgt. Dieser Nachteil unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten ist ein Vorteil hinsichtlich der Intention des Projektes, wirklich allen sozial stark belasteten Familien in den beteiligten Landkreisen Unterstützung anzubieten.

Die Evaluation (mittels Interview, standadisierter Fragebögen und Verhaltens-beobachtung in der Eltern-Kind-Interaktion ) findet zu vier Messzeitpunkten statt: wenige Wochen nach der Geburt, wenn das Kind sechs Monate alt ist, wenn es ein Jahr und wenn es zwei Jahre alt ist.

Ergebnisse und Praxistransfer

(vorläufige) Ergebnisse

Unsere vorläufigen Ergebnisse (ab dem vierten Lebensmonat bis kurz nach dem ersten Lebensjahr des Kindes) weisen auf die Wirksamkeit des Inter-ventionsprojekts „Keiner fällt durchs Netz“ in bestimmten Bereichen hin. Dabei lagen die Effektstärken literaturkonform im kleinen bis mäßigen Bereich.

Die Intervention KfdN hat sowohl einen direkten positiven Einfluss auf die Kindermerkmale wie die soziale Entwicklung und die temperamentale „Schwierigkeit“ ausgeübt als auch die Wahrnehmung / Einstellung der Mütter gegenüber den Verhaltensweisen ihres Kindes positiv beeinflusst.

Die Dysfunktionalität der Mutter-Kind-Interaktion hat sich dank der Intervention gemindert (Selbstauskunft), es gab aber keine Interaktionseffekte auf die mütterliche Feinfühligkeit (Fremdeinschätzung).

Die Besserung der mütterlichen depressiven Symptomatik war klinisch bedeutsam, die Veränderung blieb dennoch statistisch nicht signifikant. Es wurden keine Interventionseffekte bzgl. der mütterlichen Stressbelastung gefunden.

Die stärksten Interventionseffekte bezogen sich somit auf die kindlichen Merkmale, gefolgt von der Veränderung der Qualität der Mutter-Kind-Interaktion. Die schwächsten Effekte wurden, in Übereinstimmung mit dem Forschungstand, für die Befindlichkeit der Mütter festgestellt.

Der ausbleibende Interventionseffekt im Bereich der mütterlichen Feinfühligkeit impliziert die Möglichkeit einer stärkeren Berücksichtigung dieses Aspektes in der Konzeption des Projekts, z.B. durch zusätzliche Schulung der Familienhebammen und eine Einführung des Videofeedback-Ansatzes.

Die fehlenden Interventionseffekte im Bereich der mütterlichen Stressbelastung kann als Hinweis darauf gewertet werden, dass sozio-ökonomische Risikofaktoren die Interventionseffekte unterdrücken können. Es liegt in der Regel nicht in der Macht der Projektmitarbeiter, auf psychosoziale Stressoren Einfuß zu nehmen.

Längere Beobachtungszeiträume sind für die Identifizierung von Langzeiteffekten und möglichen „Sleeper“-Effekten unabdingbar. Sie bieten die Chance, mehr über die praktische Bedeutsamkeit der kleinen bis mittelmäßig signifikanten Effekte im Bereich der frühen Interventionen in Erfahrung zu bringen

Liste zuklappen(geplanter) Praxistransfer

Es ist erklärtes (und auch schon in weiten Teilen umgesetztes) Ziel des Projektes, die evaluierten Bestandteile in die Regelversorgung der beteiligten Gebietskörperschaften zu übernehmen.

In diesem Rahmen soll "Keiner fällt durch Netz" Schritt für Schritt dazu führen, dass die aufgebauten Koordinierungstellen sowie die Arbeitskreise „Netzwerk für Eltern“, welche aus ExpertInnen und Vertretern aller an der Prävention und Intervention in der frühen Kindheit beteiligten Institutionen und Berufsgruppen bestehen, die anfallenden Aufgaben auf dem Gebiet der Frühprävantion mit Hilfe von Familienhebammen übernehmen und weiterführen.

Liste zuklappenPublikationen

  • Sidor A, Kunz E, Schweyer D, Eickhorst A, Cierpka M (2011). Links between maternal postpartum depressive symptoms, maternal distress, infant gender and sensitivity: a quasi-experimental study. Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health, 5, 7. DOI:10.1186/1753-2000-5-7.
  • Weiterführende Informationen

    Liste zuklappenProjektmaterialien

    1. Handbuch für Familienhebammen

    Nakhla, D., Eickhorst, A., & Cierpka, M. (Hrsg.). (2009). Praxishandbuch für Hebammen. Frankfurt am Main: Mabuse-Verlag.

    2. Elternkurs "Das Baby verstehen", Manual

    Cierpka, M., Gregor, A. & Frey, B. (2007). Das Baby verstehen. Anleitungsheft zum Elternkurs. Focus-Familie gGmbH

    3. Elternkurs "Das Baby verstehen", Aufsuchendes Manual

    Cierpka, M., Scholtes, K. & Wölfer, C. (2009). Das Baby verstehen. Praxismanual für die aufsuchende Arbeit. Focus-Familie gGmbH

    Links

    www.keinerfaelltdurchsnetz.de

    www.focus-familie.de

    Liste zuklappenweitere Bilder

    Netzwerk für Eltern Das Netzwerk für Eltern
    Seiten­beginn
    twitterfacebookMister Wongdel.icio.usLinkedIn

    Logo des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

    Logo der Medizinischen Hochschule Hannover

    Logo des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf

    Logo der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung