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Suizidraten und Suizidprävention bei Berliner Frauen mit türkischem Migrationshintergrund

Allgemeines

Förderkennzeichen BMBF

01EL0807

laufende Projektnummer

58

Kurzbeschreibung

Über eine primärpräventive Intervention soll die Prävalenz von Suiziden und Suizidversuchen bei Migrantinnen mit türkischem Migrationshintergrund gesenkt werden. Als Zielgruppe sind türkische Migrantinnen im Alter ab 18 Jahren vorgesehen. Jeweils eine Kontrollgruppe (Hamburg) und eine Interventionsgruppe (Berlin) sollen miteinander verglichen werden. Die Interventionen sind in türkischer Sprache (Muttersprache) vorgesehen, und werden sequentiell und multimodal (Fokusgruppen, Multiplikatorentraining, Medienintervention) implementiert und evaluiert. Die Prävalenz von Suizid- und Suizidversuchshäufigkeit wird analog der WHO/EURO Suizidpräventionsstudie in der Gesamtpopulation erhoben.

Psychosoziale Belastungsfaktoren, protektive Faktoren, sowie die Inanspruchnahme des Gesundheitswesens werden in Telefoninterviews in einer Zufallsstichprobe der Gesamtpopulation erhoben. Durch ein Interventionsprogramm zur Suizidprävention werden bei türkischen Frauen gesundheitsbezogenes Verhalten unterstützt und sozioökonomische Folgen abgewendet. Bei erfolgreichem Verlauf ist eine Übertragung auf andere Regionen und Zielgruppen möglich.

Liste zuklappenKontaktdaten aller wissenschaftlicher Partner

Charité - Universitätsmedizin Berlin

Campus Charité Mitte - Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Prof. Andreas Heinz

Psychiatrische Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus
Dr. Meryam Schouler-Ocak (Ansprechpartnerin)
Große Hamburger Straße 5 - 11
10115 Berlin
Telefon: +49 30 450 - 50
E-Mail: meryam.schouler-ocak[at]charite.de

Projektförderung

Beginn / geplanter Beginn: Oktober 2008 Ende / geplantes Ende: September 2011 BMBF-Förderphase 4

Institution/Institutionen des/der Präventionspartner?

  • Sonstiges

Bundesland / Bundesländer, in denen die Maßnahme statt findet

  • Berlin
  • Hamburg

Projektbeschreibung

gesundheitsbezogener Schwerpunkt des Projekts

  • Psyche / Stress
  • Früherkennung von Krankheiten und Beeinträchtigungen

Liste zuklappenAusgangssituation und theoretischer Hintergrund der Studie

Die geplante Studie sieht den Einsatz von verschiedenen Interventionen zur Prävention von Suizid bzw. Suizidversuchen bei Frauen mit türkischem Migrationshintergrund vor.Jährlich sterben in Deutschland knapp 10.000 Menschen durch Suizid. Die Zahl der Suizidversuche liegt nach Schätzungen mindestens zehnmal höher. Sowohl psychosoziale als auch biologische Faktoren spielen bei der Genese von Suizidalität eine wichtige Rolle. Voraussetzung für eine zielführende Intervention ist eine sorgfältige Diagnose der Suizidalität. In Deutschland sind die Suizidraten der Menschen mit türkischem Migrationshintergrund niedriger als die der Einheimischen. Allerdings hebt sich die Gruppe der jungen Frauen mit türkischem Migrationshintergrund aus dieser Gruppe hervor. Die Suizidrate liegt in dieser Gruppe fast doppelt so hoch wie bei gleichaltrigen einheimischen Frauen. Die geplante Studie sieht den Einsatz von verschiedenen Interventionen zur Prävention von Suizid bzw. Suizidversuchen bei Frauen mit türkischem Migrationshintergrund vor.

Liste zuklappenHauptziele der Studie

Ziel der Studie ist die Prävalenz von Suiziden und Suizidversuchen bei Migrantinnen mit türkischem Migrationshintergrund über eine primärpräventive Intervention zu senken. Als Zielgruppe sind türkische Migrantinnen im Alter ab 18 Jahren vorgesehen. Die Interventionen sind in türkischer Sprache vorgesehen. Jeweils eine Kontrollgruppe (Hamburg) und eine Interventionsgruppe (Berlin) sollen miteinander verglichen werden.

Des Weiteren soll durch die Sensibilisierung der gesunden Allgemeinbevölkerung (der Menschen mit türkischem Migrationshintergrund) eine Verbesserung der Inanspruchnahme des Gesundheitssystems mit sich bringen.

Liste zuklappenZielgruppe

Altersgruppe

  • Hochbetagte (ab 80)
  • Jugendliche und junge Erwachsene (15-25)
  • Menschen im höheren erwerbsfähigen Alter (51-65)
  • Menschen im mittleren erwerbsfähigen Alter (26-50)
  • ältere Menschen (66-79)

Projekt richtet sich an

Mädchen / Frauen

Personengruppe

  • Sozial benachteiligte Personen

Die Maßnahme wird in folgendem Setting durchgeführt:

  • Hochschule / sonstige Bildungseinrichtung
  • Krankenhaus / Rehaeinrichtungen
  • Punktuell wahrgenommene Einrichtung des Gesundheitswesens (Artzpraxis, Apotheke, ambulante Pflege)
  • Region / Stadtteil / Nachbarschaft
  • Schule
  • Verein / Kirchengemeinde
  • sonstige: Medienkampagne, Hotline, Multiplikatoren

Methodik und Studiendesign

Ziele, die das Projekt verfolgt?

  • Entwicklung und/oder Erprobung von Interventionen
  • Evaluation der Wirksamkeit von Maßnahmen
  • Zugangswege
  • Zusammenstellung für die Praxis

Welche Intervention wurde durchgeführt?

  • Informationsveranstaltungen
  • Schulung / Kurs / Training
  • Sonstiges: Medienintervention
  • schriftlichen Informationen / Erstellen von Websites

Studiendesign

  • Experimentell
    • Interventionsstudie
      • Mit Kontrollgruppe

verwendete Methoden

  • systematische Literaturanalyse
  • Quantitative Methode: Standardisierte Befragung (Fragebogen/Interview)
  • Qualitative Methode: Diskussionsrunde / Fokusgruppen, Experteninterview, Leitfrageninterview

gemessene Outcomes?

  • Gesundheit: Morbidität, Mortalität
  • Versorgungsdaten
  • Zugangswege

Liste zuklappenBeschreibung von Methode und Vorgehensweise der Studie

Die Prävention basiert auf dem Bündnisprojekt gegen Depression. Die Interventionen sind in türkischer und deutscher Sprache (Muttersprache) vorgesehen, und werden sequentiell und multimodal (Fokusgruppen, Multiplikatorentraining, Medienintervention) implementiert und evaluiert.

Die Prävalenz von Suizid- und Suizidversuchshäufigkeit wird analog der WHO/EURO Suizidpräventionsstudie in der Gesamtpopulation (Frauen ab 18 mit türkischem Migrationshintergrund in Berlin und Hamburg) erhoben. Psychosoziale Belastungsfaktoren, protektive Faktoren, sowie die Inanspruchnahme des Gesundheitswesens, werden in Face-to-Face-Interviews in einer Zufallsstichprobe der Gesamtpopulation erhoben. Bei der Untersuchung wird ein quasiexperimenteller Versuchsplan mit einer Interventions- (Berlin) und einer Kontrollgruppe (Hamburg) verwendet. Dabei werden zunächst in Fokusgruppen Themen- und Interventionsfelder erhoben und definiert, aus denen eine spezifische Multiplikatorenintervention sowie eine spezifische Medienintervention entwickelt werden.

Ergebnisse und Praxistransfer

(vorläufige) Ergebnisse

Das Projekt wurde im Rahmen der 4. Förderphase gefördert und ist derzeit noch nicht abgeschlossen.

Liste zuklappen(geplanter) Praxistransfer

Die Präventionsmaßnahme basiert auf dem Forschungsprojekt „Nürnberger Bündnis gegen Depression“, welches auf Grund der sehr positiven Ergebnisse inzwischen bundesweit in mehr als 50 Städten, europaweit in 17 Staaten etabliert wurde. Daher ist die Übertragbarkeit der geplanten Maßnahme auch auf andere Städte möglich.

Angepasst an die lokalen Versorgungsstrukturen sind die Interventionen für Frauen mit türkischem Migrationshintergrund ohne großen Aufwand übertragbar. Für andere Gruppen wie z. B. Frauen mit arabischem Migrationshintergrund reicht die alleinige Übersetzung der Interventionsmaterialien nicht aus, sondern diese müssen dem kulturellen Kontext der entsprechenden Zielgruppen angepasst werden. U. a. müssen kulturelle Erklärungsmodelle für akzeptiertes Verhalten, Verhaltenscodices, Erwartungen an Mütter, Ehefrauen, Schwestern, Töchter, Umgangsweisen im sozialen Umfeld, Konzepte von Scham, Schuld und Ehre, religiöse Hintergründe, Tod und Suizid Berücksichtigung finden.

Zudem ist darauf hinzuweisen, dass vielfach zu wenig beachtet wird, dass jeder Kulturkreis etwas anderes unter bestimmten Krankheitssymptomen, wie z.B. Traurigkeit, Suizidalität oder Depressivität versteht und sich anders ausdrückt (Bhui et al. 2007, Kirmayer et al. 2001, Ballenger et al. 2001, Pfeiffer 1984). Dies hat zur Folge, dass Professionelle ohne ein entsprechendes Hintergrundwissen aus den Symptombeschreibungen des Betroffenen u. U. nicht auf eine Suizidalität schließen. Ebenso hat jede Kultur ihre ganz eigene Strategie auf eine Symptomatik oder eine Krankheit zu reagieren, was bei der Behandlung einer Erkrankung Berücksichtigung finden sollte. Nach Adaptation des Konzeptes ist das Interventionsprogramm somit auch auf andere gefährdete Gruppen anwendbar. Bei nachweisbaren Effekten bzw. im Erfolgsfalle kann eine Implementierung in das bestehende Versorgungssystem erfolgen. Der Praxistransfer wird in diesem Falle durch z. B. Einrichtungen wie den Berliner Krisendienst stattfinden. Damit könnten die Interventionsmaßnahmen nachhaltig etabliert werden.

Liste zuklappenPublikationen

Heredia Montesinos AH, Bromand Z, Aichberger MC, Temur-Erman S, Yesil R, Rapp M, Heinz A, Schouler-Ocak M (2010): Suizid und suizidales Verhalten bei Frauen mit Migrationshintergrund. Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie 58:173–179

Schouler-Ocak M, Aichberger MC, Heredia Montesinos A, · Rapp M, Heinz A (2010): Neue Ansätze zur Erkennung und Differenzierung von Depression bei Migranten - Fallbeispiel einer Patientin mit türkischem Migrationshintergrund. Der Nervenarzt 81:873–878

Hibbeler B (2005): Dr. med. Meryam Schouler-Ocak - Verwurzelt in Gegensätzen. Deutsches Ärzteblatt 102:A3492-94.

Weiterführende Informationen

Liste zuklappenProjektmaterialien

Hier finden Sie einen Flyer zum Projekt sowie Poster in türkischer und deutscher Sprache.

Links

www.berlinerbuendnisgegendepression.de

www.berliner-krisendienst.de

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Logo der Medizinischen Hochschule Hannover

Logo des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf

Logo der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung