Projekt-Detailansicht
Blutzuckertest und Primärprävention des Typ 2-Diabetes - Evaluation des Effekts evidenzbasierter Patienten-Information
Allgemeines
Förderkennzeichen BMBF
01EL0706laufende Projektnummer
39Kurzbeschreibung
Der Diabetes mellitus Typ 2 ist eine Erkrankung von großer Public Health-Relevanz. Diabetesvorstufen (definiert als gestörter Nüchternzucker, impaired fasting glucose, IFG, und gestörte Glukosebelastung, impaired glucose tolerance, IGT; auch als „Prädiabetes“ bezeichnet) wurden in Deutschland in der älteren Bevölkerung in einer Häufigkeit von bis zu 25% gefunden. Bereits Diabetesvorstufen sind mit erhöhter Morbidität und Mortalität assoziiert. Das Risiko, bei Vorliegen von IFG oder IGT einen manifesten Diabetes zu entwickeln, ist hoch. In randomisiert-kontrollierten Studien zur Primärprävention des Diabetes wurde im Untersuchungszeitraum bei Personen mit gestörter Glukosetoleranz durch Lebensstil-Interventionen das Risiko, einen manifesten Diabetes zu entwickeln, um bis zu 50% reduziert. Die Reduktion der mittleren Blutzuckerwerte in den Interventions- gegenüber den Kontrollgruppen lag zwischen 5 und 10 mg/dl für die Nüchternwerte, und bei rund 10 mg/dl für die Werte 2 Stunden nach Glukosebelastung. Evidenzbasierte Patienteninformationen (EBPI) oder Entscheidungshilfen (decision aids, DA) werden in den letzten Jahren zunehmend diskutiert. Bereits 2002 wurden in England Leitlinien zur „Good Practice in Decision Making“ publiziert. Auch in Deutschland ist das Thema im Sinne der Patientenorientierung im Gesundheitswesen von zunehmender Relevanz. Kriterien zur Erstellung und zu Inhalt und Aufbau wurden auch für den nationalen Raum publiziert, es gibt bisher jedoch nur wenige Kenntnisse über ihre Auswirkungen. Evidenzbasierte Patienteninformationen oder Entscheidungshilfen zur Primärprävention des Typ 2-Diabetes fehlen national wie international. Ziel des Vorhabens ist die Evaluation des Einflusses optimierter Informationsprozesse auf Wissen, Einstellung, Intention zur Inanspruchnahme eines Stoffwechseltests und Qualität der Entscheidung. a)Zu diesem Zweck wird eine neue internetgestützte evidenzbasierte Patienteninformation entwickelt und einem Kreis von GKV-Versicherten angeboten. b)Es soll ferner geprüft werden, welche Effekte eine ausführliche evidenzbasierte strukturierte „Patienten“- (Verbraucher-) Information (EBPI) als Entscheidungshilfe (decision aid) gegenüber einer Standard-Information hat. Dazu wird eine webgestützte randomisiert-kontrollierte Studie durchgeführt. Die Interventionsgruppe erhält eine ausführliche EBPI, die Kontrollgruppe eine Standardinformation. Angesprochen werden Versicherte der Techniker-Krankenkasse im Alter zwischen 50 bis unter 70 Jahre ohne einen bekannten Diabetes mellitus.
Kontaktdaten aller wissenschaftlicher Partner
Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ) - Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Institut für Biometrie und Epidemiologie
PD Dr. Dr. Andrea Icks (Projektleitung)
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf
Telefon: 0211-3382-333/354/259
Fax: 0211-3382-677
E-Mail: icks@ddz.uni-duesseldorf.de
Institut für Biometrie und Epidemiologie Institut für Klinische Diabetologie
Prof. Guido Giani
Institut für Biometrie und Epidemiologie Institut für Klinische Diabetologie
Dr Wolfgang Rathmann
Institut für Biometrie und Epidemiologie Institut für Klinische Diabetologie
Dr. Bettina Nowotny
Private Universität Witten/Herdecke
Institut für Pflegewissenschaft
Prof. Gabriele Meyer
Universität Hamburg
FB 13, IGTW - Gesundheit
Dr. Anke Steckelberg
mediStatistica
Dr. Burkhard Haastert
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Koordinierungszentrum für Klinische Studien Universitätsklinikum Heinrich-Heine-Universität
Prof. Christian Ohmann
Institute of Health Economics and Health Care Management Helmholtz Zentrum München German Research Center for Environmental Health (GmbH)
Dr. Andreas Mielck
Projektförderung
Beginn / geplanter Beginn: Dezember 2007 Ende / geplantes Ende: November 2010 BMBF-Förderphase 3Institution/Institutionen des/der Präventionspartner?
- Sozialversicherung (z.B. Krankenkasse, Unfallkasse)
Bundesland / Bundesländer, in denen die Maßnahme statt findet
- bundesweit
Projektbeschreibung
gesundheitsbezogener Schwerpunkt des Projekts
- Früherkennung von Krankheiten und Beeinträchtigungen
- Prävention von chronischen Erkrankungen (z.B. KHK, Diabetes)
Ausgangssituation und theoretischer Hintergrund der Studie
Evidenzbasierte Patienteninformationen (EBPI) ist eine notwendige Voraussetzung der informierten Entscheidungsfindung, insbesondere im Bereich der Prävention. Eine objektive, auf der besten wissenschaftlichen Evidenz basierende Information für Verbraucher über grenzwertig erhöhten Blutzucker und zur primären Prävention von Diabetes, steht bislang aus. Wir haben eine Web-basierte EBPI zum Thema entwickelt und pilotiert.
Hauptziele der Studie
Ziel des Vorhabens ist die online-basierte Evaluation des Einflusses einer im Rahmen des Projekts erarbeiteten evidenzbasierten Patienteninformation (EBPI) im Vergleich zu einer Standardinformation zu "Prädiabetes" und Primärprävention des Typ 2-Diabetes. Evaluiert werden:
- Wissen über „Prä-Diabetes“ und Diabetes, (Stoffwechsel-)Tests, Möglichkeiten der Primärprävention des Diabetes
- Einstellung zu einer Stoffwechseluntersuchung -Intention, an einem Stoffwechseltest teilzunehmen
- Entscheidungskonflikt (Teilnahme an Stoffwechseltest)
des weiteren
- Zufriedenheit mit der Information der NutzerInnnen nach evidenzbasierter Patienteninformation (EBPI) im Vergleich zu einer Standardinformation.
Zielgruppe
Altersgruppe
- Menschen im höheren erwerbsfähigen Alter (51-65)
Projekt richtet sich an
nicht geschlechtsspezifischPersonengruppe
- Personen mit spezifisch erhöhten Krankheitsrisiken
- Sozial benachteiligte Personen
Die Maßnahme wird in folgendem Setting durchgeführt:
- sonstige: Internet
Methodik und Studiendesign
Ziele, die das Projekt verfolgt?
- Evaluation der Wirksamkeit von Maßnahmen
- Sonstiges: Untersuchung des Einflusses einer evidenzbasierten Patienteninformation
- Zugangswege
Welche Intervention wurde durchgeführt?
- schriftlichen Informationen / Erstellen von Websites
Studiendesign
- Experimentell
- Interventionsstudie
- Mit Kontrollgruppe
- Interventionsstudie
- Sonstiges : Multicenter-Studie
verwendete Methoden
- Quantitative Methode: Standardisierte Befragung (Fragebogen/Interview)
gemessene Outcomes?
- Kompetenz / Empowerment
- Zugangswege
- Akzeptanz / Zufriedenheit
Beschreibung von Methode und Vorgehensweise der Studie
Mittels einer Web-basierten randomisiert-kontrollierten Studie evaluieren wir die Wirkung der EBPI auf fünf spezifische Outcomes: (i) Wissen zu grenzwertig erhöhtem Blutzucker (primärer Endpunkt), (ii) Einstellung zu metabolischen Tests; (iii) Absicht, sich einem metabolischen Test zu unterziehen; (iv) Entscheidungskonflikt, (v) Zufriedenheit mit der Information. Die Interventionsgruppe erhält die EBPI, die Kontrollgruppe im Internet frei verfügbare Informationen. Die Studiengruppe besteht aus Personen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren ohne bekannten Diabetes mellitus. Diese Personen gehören gemäß der geltenden Richtlinien zur Zielgruppe für die primäre Prävention von Diabetes. Die Teilnehmer werden über die Internet-Seiten der Techniker Krankenkasse (TK) und des Deutschen Diabetes-Zentrums rekrutiert. Die Outcomes werden mittels Online-Fragebögen erhoben.
Ergebnisse und Praxistransfer
(vorläufige) Ergebnisse
Die Hauptphase der Erhebung (16.10.-31.12.2009) ist erfolgreich abgeschlossen. Derzeit startet die Datenauswertung.
(geplanter) Praxistransfer
Die Studie kann zum Prototyp für Web-basierte Informationen über Prävention und deren Evaluation werden.
Publikationen
Genz J, Haastert B, Meyer G, Steckelberg A, Müller H, Verheyen F, Cole D, Rathmann W, Nowotny B, Roden M, Giani G, Mielck A, Ohmann C, Icks A. Blood glucose testing and primary prevention of diabetes mellitus type 2 - evaluation of the effect of evidence based patient information (study protocol). BMC Public Health 2010, accepted.


