Projekt-Detailansicht
Entwicklung, Erprobung und Evaluation eines Interventionskonzepts zur primären Prävention von psychischen Störungen bei Kindern psychisch erkrankter Eltern, kurz: 'KANU-Gemeinsam weiterkommen'
Allgemeines
Förderkennzeichen BMBF
01EL0814laufende Projektnummer
65Kurzbeschreibung
Ziel des Projekts ist die Entwicklung, pilothafte Erprobung und Evaluation eines Interventionskonzepts zur primären Prävention von psychischen Störungen bei Kindern (6-12 Jahre) psychisch erkrankter Eltern in der Erwachsenenpsychiatrie und die Senkung der Inzidenz psychischer Störungen unter Heranwachsenden aus ressourcenschwachen Risikogruppen. Folgende Arbeitsschritte sind vorgesehen: 1. Erhebung der Belastungs- und Bewältigungssituation von Kindern psychisch kranker Eltern. Mittels leitfadengestützter Interviews mit Eltern und Kindern (n=20) sollen die psychosozialen Funktionsstörungen der Eltern sowie ihr Unterstützungsbedarf erfasst werden. Auf dieser Basis wird 2. ein Präventionskonzept erarbeitet, das im psychiatrischen Versorgungssetting implementiert, erprobt und evaluiert wird. Für die Evaluation (n=200 Eltern; n=320 Kinder) werden 3. Instrumente zur Erhebung der psychosozialen Funkti-onsstörungen der Eltern sowie der Belastungen und Bewältigungssituation der Kinder eingesetzt. Mit der Entwicklung und Implementierung des Präventionskonzepts wird einerseits ein unverzichtbares Basisgerüst geschaffen, um die bestehenden familientherapeutischen Angebote bedarfsadäquat ausrichten zu können. Andererseits soll auf Grundlage der Projektergebnisse dazu beigetragen werden, die Vernetzung der Erwachsenenpsychiatrie mit der Kinder- und Jugendhilfe zu verbessern. Darüber hinaus wird das zum Projektende verfügbare praktisch belastbare Präventionskonzept als Modell für interessierte psychiatrische Kliniken auch über das Vorhaben hinaus zur Verfügung gestellt und kann in die Regelversorgung eingebracht werden.
Kontaktdaten aller wissenschaftlicher Partner
Universität Duisburg-Essen
Fakultät für Bildungswissenschaften
Prof. Ullrich Bauer
Projektförderung
Beginn / geplanter Beginn: Oktober 2008 Ende / geplantes Ende: März 2012 BMBF-Förderphase 4
Praxispartner
Evangelisches Krankenhaus Bielefeld | Martin Driessen
Kinderschutzbund Bielefeld | Brigitte Lüdemann
Institution/Institutionen des/der Präventionspartner?
- Einrichtungen des Gesundheitssystems (z.Bsp. Krankenhaus, Arztpraxis, Ärztekammer)
- Ministerien und Einrichtungen auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene
Bundesland / Bundesländer, in denen die Maßnahme statt findet
- Nordrhein-Westfalen
Projektbeschreibung
gesundheitsbezogener Schwerpunkt des Projekts
- Sonstiges: Prävention für Kinder psychisch kranker Eltern (Belastungsverminderung und Ressourcenverbesserung, Stärkung von Bewältigungskompetenzen und familiärer Resilienz)
Ausgangssituation und theoretischer Hintergrund der Studie
Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass Kinder psychisch kranker Eltern ein erhöhtes Risiko aufweisen, selbst eine psychische Störung zu entwickeln oder verhaltensauffällig zu werden.
Neben einer genetischen Prädisposition gelten psychosoziale Risikofaktoren, die mit der elterlichen Erkrankung eng konnotiert sind, als wesentliche Belastungsfaktoren in der kindlichen Entwicklung. Häufig erleben die betroffenen Kinder Veränderungen im Familienleben, die zu Belastungen wie Verlusterlebnissen, einer mangelnden Orientierung, Ängsten, Schuld- und Schamgefühlen, einer Isolierung oder eine Rollenumkehr führen können.
Trotz der hohen Störungsanfälligkeit mangelt es bislang an wissenschaftlich evaluierten Präventionsangeboten, die zur Verbesserung der kindlichen Entwicklungsbedingungen beitragen können.
Mit Blick auf die klinisch-psychiatrische Versorgung zeigt sich, dass etwa ein Viertel aller Patientinnen und Patienten Eltern minderjähriger Kinder sind. Obwohl die Erwachsenenpsychiatrie damit eine gute Erreichbarkeit ermöglichen würde, sind präventive Angebote für Kinder psychisch kranker Eltern im psychiatrischen Versorgungssetting bisher noch kaum angesiedelt.
Hauptziele der Studie
Im Mittelpunkt des Vorhabens steht die Entwicklung, Erprobung und Evaluation eines Interventionskonzeptes zur primären Prävention von psychischen Störungen bei Kindern psychisch erkrankter Eltern (EEEIPP). Das Angebot richtet sich an belastete, aber bisher unauffällige Kinder von depressiv und schizophren erkrankten Eltern im Alter von sechs bis zwölf Jahren.
Um die Erreichbarkeit der Zielgruppe zu verbessern, wird das entwickelte multimodale Interventionskonzept in der Erwachsenenpsychiatrie zum Einsatz gebracht. Die Ziele bestehen darin, die Belastungen, denen Kinder psychisch erkrankter Eltern ausgesetzt sind zu senken und die Ressourcen und Bewältigungskompetenzen der betroffenen Familien zu stärken, um die Wiederstandsfähigkeit der Kinder zu erhöhen und einer Störungsanfälligkeit entgegen zu wirken.
Zielgruppe
Altersgruppe
- Grundschüler und -schülerinnen (6-10)
- Schülerinnen und Schüler (11-14)
Projekt richtet sich an
nicht geschlechtsspezifischPersonengruppe
- Bevölkerungsgruppen in risiko-erhöhten Lebensphasen
Die Maßnahme wird in folgendem Setting durchgeführt:
- Krankenhaus / Rehaeinrichtungen
Methodik und Studiendesign
Ziele, die das Projekt verfolgt?
- Entwicklung und/oder Erprobung von Interventionen
- Evaluation der Wirksamkeit von Maßnahmen
Welche Intervention wurde durchgeführt?
- Schulung / Kurs / Training
Ergebnisse und Praxistransfer
Publikationen
Heitmann, D. ; Bauer, U. (2007). Kinder psychisch erkrankter Eltern - Forschungsdesiderata und psychiatrischer Interventionsbedarf. Zeitschrift für Pflegewissenschaft und psychische Gesundheit, 1, S. 5-16
Weiterführende Informationen
Projektmaterialien
Projektinformation "KANU"
"KANU" in der Presse:
- Damit die Kinderseele nicht krank wird. Westfalen-Blatt (26.2.2010)
- Wenn Kinder zu früh erwachsen werden müssen. Neue Westfälische (26.2.2010)
