Projekt-Detailansicht
Evaluation von Maßnahmen zur schulischen Gesundheitsförderung und Primärprävention bei Mädchen und Jungen in der Sekundarstufe I (5.-6. Jahrgang) unter besonderer Berücksichtigung von sozial benachteiligten Gruppen und Migranten
Allgemeines
Förderkennzeichen BMBF
01EL0616/0621laufende Projektnummer
30Kurzbeschreibung
Das Projekt untersucht Effekte primär-präventiver Programme auf sozial benachteiligte Schüler/Innen und Jugendliche mit Migrationshintergrund hinsichtlich Substanzkonsum, Lebenskompetenzen und psychischer Gesundheit. Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UK SH) kooperiert mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und entwickelt mit regionalen migranten- und bildungspolitischen Einrichtungen in Schleswig-Holstein und Berlin Instrumente zu Erfassung dieser Ergebnis-Parameter sowie Richtlinien für eine Anpassung der Programme für die Zielpopulation. Das UKE verantwortet die Optimierung von Programmen und Instrumenten zur Migrantensensitivität, das UK SH übernimmt Projektkoordination, Berichtswesen und die Bereitstellung von Instrumenten zum Ergebnis-Parameter Lebenskompetenzen. Die Evaluation erfolgt durch eine randomisierte Interventionsstudie als längsschnittliche Beobachtung zu drei Messzeitpunkten in beiden Bundesländern. 3.000 Schüler/innen und 90 Lehrer/innen der 5. und 6. Klassenstufen an Hauptschulen und Grundschulen aus Gebieten mit niedrigem Sozialindex werden vor Beginn (t0), nach Abschluss (t1) und 3 Monate nach (t2) der einjährigen Intervention mit standardisierten Instrumenten befragt, zusätzlich werden Fokusgruppen und qualitative Interviews durchgeführt. Das Projekt stellt ein Instrumentarium zur Evaluation von Maßnahmen der Gesundheitsförderung von Schüler/innen im Setting-Ansatz zur Verfügung und trägt zur Standardisierung der Durchführungspraxis schulischer Maßnahmen unter Berücksichtigung von sozialer Benachteiligung, Migrationshintergrund sowie geschlechtsspezifischen Aspekten bei.
Projektleitung:
- Prof. Ute Thyen, Universität zu Lübeck
- PD Dr. Ulrike Ravens-Sieberer, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Kontaktdaten aller wissenschaftlicher Partner
Universität zu Lübeck
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein - Campus Lübeck - Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Prof. Ute Thyen (Projektleitung)
Ratzeburger Allee 160
23562 Lübeck
E-Mail: thyen@paedia.ukl.mu-luebeck.de
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Zentrum für Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik
Prof. Ulrike Ravens-Sieberer (Projektleitung)
IFT – Nord, Institut für Therapieforschung
PD Dr. Reiner Hanewinkel
Projektförderung
Beginn / geplanter Beginn: Oktober 2006 Ende / geplantes Ende: September 2009 BMBF-Förderphase 2
Praxispartner
Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein (IQSH) | Petra Fojut
Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein (IQSH) | Friedrich Werner Burow
Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport in Berlin | Dörte Friedrich
Hilfswerk der Deutschen Lions e.V. - Lions Foundation Germany - | Heinz-Jörg Panzner
Institution/Institutionen des/der Präventionspartner?
- Ministerien und Einrichtungen auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene
Bundesland / Bundesländer, in denen die Maßnahme statt findet
- Berlin
- Schleswig-Holstein
Projektbeschreibung
gesundheitsbezogener Schwerpunkt des Projekts
- Psyche / Stress
- Sucht (z.B. Tabak, Alkohol)
Ausgangssituation und theoretischer Hintergrund der Studie
Die Wirksamkeit von Programmen zur schulischen Gesundheitsförderung und Primärprävention wurde vielfach nachgewiesen. Wie sich Effekte je nach Bildungs- und Migrationshintergrund der SchülerInnen unterscheiden, wurde bisher jedoch nur unzureichend untersucht. Der Schwerpunkt der bisher veröffentlichten Studien lag auf der Wirkung der Intervention im Hinblick auf den Substanzmissbrauch. Schulische Programme im Rahmen des Lebenskompetenzansatzes zielen aufgrund ihres ressourcenorientierten Ansatzes aber auch darauf ab, die seelische Gesundheit zu fördern und verbreitete psychische Störungen und psychosomatische Beschwerden zu verhüten. Studien, die eine detaillierte Bewertung von Gesundheitsförderungsprogrammen aus SchülerInnenperspektive beinhalten, liegen bisher nicht vor.
Hauptziele der Studie
Die Studie untersucht anhand der in Schleswig-Holstein und Berlin eingesetzten primärpräventiven Programme „Fit und Stark fürs Leben“, „Erwachsen-Werden“ und „Buddy-Projekt“ die Wirksamkeit gezielt für SchülerInnen aus sozial benachteiligten Familien bzw. Familien mit Migrationshintergrund. Die Zielgrößen sind Selbstwirksamkeit, soziale Kompetenz, Gewaltausübung, Substanzkonsum, psychische Gesundheit und das Klassenklima.
Zielgruppe
Altersgruppe
- Schülerinnen und Schüler (11-14)
Projekt richtet sich an
nicht geschlechtsspezifischPersonengruppe
- Sozial benachteiligte Personen
Die Maßnahme wird in folgendem Setting durchgeführt:
- Schule
Methodik und Studiendesign
Ziele, die das Projekt verfolgt?
- Evaluation der Wirksamkeit von Maßnahmen
Studiendesign
- Experimentell
- Interventionsstudie
verwendete Methoden
- Quantitative Methode: Standardisierte Befragung (Fragebogen/Interview)
- Qualitative Methode: Experteninterview
gemessene Outcomes?
- Gesundheit: Intermediäre Verhaltenparameter
- Kompetenz / Empowerment
Beschreibung von Methode und Vorgehensweise der Studie
In zwei Bundesländern (Schleswig-Holstein und Berlin) wird die Evaluation an Haupt- bzw. Grundschulen im Rahmen einer auf Schulebene randomisierten Interventionsstudie mit längsschnittlichen Beobachtungen zu drei Messzeitpunkten durchgeführt. In einem qualitativen Teil der Studie werden Daten durch Interviews mit SchülerInnen, LehrerInnen und ExpertInnen zielgruppenorientiert erhoben.
Ergebnisse und Praxistransfer
(vorläufige) Ergebnisse
Die Erhebungsphase ist abgeschlossen. Zurzeit werden die Daten der drei Erhebungsphasen für die Auswertungen vorbereitet. Mit Hilfe der Ergebnisse aus allen drei Erhebungszeitpunkten sollen Vorschläge zur Verbesserung und Standardisierung der Durchführungspraxis bestehender schulischer Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Primärprävention, insbesondere im Hinblick auf die schulische Gesundheitsförderung an Hauptschulen bzw. für die Einbeziehung von Jugendlichen aus sozial benachteiligten und Migrantenfamilien, erarbeitet werden. Des Weiteren werden Erkenntnisse zu den Auswirklungen der Gesundheitsförderungsprogramme auf die psychische Gesundheit der SchülerInnen erwartet.
(geplanter) Praxistransfer
Den gesundheitspolitischen Akteuren soll ein Bericht mit den wichtigsten Ergebnissen und Vorschlägen für eine angemessene Umsetzung der Programme vorgelegt werden. Darüber hinaus wird ihnen ein valides Instrumentarium zur Verfügung gestellt, das in Schulen und Institutionen des Bildungs- und Gesundheitswesens im Bereich „Suchtprävention und Förderung von Lebenskompetenzen / seelischer Gesundheit“ anwendbar ist und sich für sozial benachteiligte Kinder und solche mit Migrationshintergrund eignet. In „Round-table“-Gesprächen mit Wissenschaftlern und Akteuren sollen Strategien zur nachhaltigen Umsetzung der Studienergebnisse implementiert werden. Die Ergebnisse zur Sekundäranalyse der Wirksamkeit der untersuchten Life-skills-Programme werden an die Anbieter zurückgemeldet.
Weiterführende Informationen
Projektmaterialien
Bittlingmayer U, Hastaoglu T, Stahl M, Fettah F (2009). Anmkerungen zur Notwendigkeit einer Erweiterung von Lions Quest "Erwachsen werden". Eine qualitative Bedarfsanalyse an unterschiedlichen Schulformen der Sekundarstufe I und II, Zwischenbericht. www.lions-quest.de/fileadmin/content/Lions-Quest/Evaluationen/Anmerkungen_zur_Notwendigkeit_Erweiterung_LQ_Erwachsen_werden.pdf (Zugriff: 24.8.2011)
Hanewinkel R, Asshauer M (2003). "Fit und stark fürs Leben". Universelle Prävention des Rauchens durch Vermittlung psychosozialer Kompetenzen. Suchttherapie 2003, 4: 197-199
